1.7. Selbstpräsentation: Tipps fürs Vorstellungsgespräch

Die Selbstpräsentation (auch „Selbstvorstellung“ genannt) gehört zum festen Repertoire im Bewerbungsprozess. Ob Sie in einem Assessment Center sind oder mitten in einem Vorstellungsgespräch – irgendwann fällt der Satz: „Erzählen Sie doch mal etwas über sich!“

Ein Klassiker. Und der Auftakt zu Ihrer Vorstellung.

Nun sollen Sie sich selbst beschreiben, Ihren Werdegang, Ihre bisherigen Erfolge, Ihre Arbeitsweise. Innerhalb weniger Minuten sollen sie ein flammendes Plädoyer zur eigenen Person halten. Selbstlob pur. Noch dazu völlig frei und im lockeren Plauderton eines Smalltalks.

Viele haben davor Angst oder sind unsicher. Müssen Sie aber nicht. Wir zeigen Ihnen hier, wie Sie die Selbstpräsentation mit gründlicher Vorbereitung perfekt meistern…


Hintergrund: Warum eine Selbstpräsentation?

Die Selbstpräsentation hat einen hohen Stellenwert im Bewerbungsgespräch. Für Personaler ist das die Chance, Kandidaten live zu erleben und zwar im Rahmen jener Fakten, die sie schon aus der Bewerbung beziehungsweise aus dem Lebenslauf kennen. Sie können den Bewerber dabei genau beobachten und überprüfen, ob es Widersprüche gibt und der Kandidat bei seinen schriftlichen Angaben irgendwo geschummelt hat.

Insgeheim fragen sich Personaler:

  • Passt die Vorstellung zum Bild aus den Bewerbungsunterlagen?

  • Gibt es vielleicht doch Widersprüche oder Lücken im Lebenslauf?

  • Wie überzeugend werden die Erfolge erklärt?

  • Ist der Bewerber selbstbewusst oder verzweifelt?

  • Hat sich der Kandidat mit dem Job beschäftigt oder liefert er nur eine Show?

Gleichzeitig interessiert die Personalentscheider, ob Sie in dieser Gesprächsphase einen Bezug zum Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle herstellen können. Also ob Ihre vorgestellten Kompetenzen und Stärken zum Anforderungsprofil der jeweiligen Position passen.


Zeitpunkt: Wann kommt die Selbstpräsentation?

Fast alle Vorstellungsgespräche folgen einem klassischen Ablauf in fünf Phasen:

  1. Smalltalk ca. 5 Min.

  2. Selbstpräsentation ca. 2-5 Min.*

  3. Arbeitgebervorstellung ca. 15 Min.*

  4. Eigene Rückfragen ca. 10 Min.

  5. Abschluss ca. 5 Min.

*Reihenfolge flexibel


Die Selbstvorstellung kommt also in der Regel gleich zu Beginn des Bewerbungsgesprächs oder Assessment Centers (AC), nach dem ersten Kennenlernen und Smalltalk und gehört damit zur sogenannten „Kennenlernphase“ beziehungsweise „Vorstellungsrunde“.

Die Reihenfolge ist allerdings variabel. Heißt: Entweder das Unternehmen und die anwesenden Vertreter beziehungsweise Mitarbeiter (im AC gehören dazu auch die Beobachter – sogenannte „Assessoren“) stellen sich zunächst vor und bitten Sie danach, diesem Beispiel zu folgen. Oder Sie werden als Erste(r) gebeten, Ihre Selbstpräsentation zu halten. Gerne eingeleitet mit Sätzen wie:

  • Erzählen Sie doch bitte etwas über sich.

  • Jetzt würden wir Sie gerne kennenlernen. Warum sollten wir Sie einstellen?

  • Bitte stellen Sie sich doch noch einmal kurz vor und erklären uns: Warum möchten Sie diesen Job?

In einem Assessment Center kann es noch die Sonderformen einer sogenannten Gruppenpräsentation beziehungsweise „Partnerpräsentation“ geben. Eine Art erste Teamwork-Test. In dem Fall werden Sie zusätzliche Zeit zur Vorbereitung bekommen und dann meist gebeten, sich gegenseitig vorzustellen.


Dauer, Inhalt und Anforderungen der Selbstvorstellung

Die Selbstpräsentation dauert nur selten länger als drei bis fünf Minuten. Mehr wird auch nicht erwartet. Es ist ja kein Vortrag, sondern „nur“ eine Vorstellung, um einen ersten Eindruck zu vermitteln.

In dieser kurzen Redezeit müssen Sie daher das Wesentliche auf den Punkt bringen. Zum Labern bleibt keine Zeit. Es geht darum, Werbung in eigener Sache zu machen, aber auch Präsentationssicherheit zu beweisen. Denn das Präsentieren und Vorstellen von Projekten oder Ergebnissen gehört heute zu fast jedem Job. Die Selbstvorstellung bietet also schon mal einen Vorgeschmack darauf, wie Sie womöglich später, nach der Einstellung agieren.

Beim Inhalt der Selbstpräsentation kommt es auf folgende Informationen an (orientieren können Sie sich auch an den Leitfragen):

  • Wie heißen Sie? „Mein Name ist Max Muster…“

  • Wie alt sind Sie? „…ich bin 27…“

  • Woher kommen Sie? „…und komme aus Köln.“

  • Welche Ausbildung haben Sie? „Ich habe an der Uni Köln 10 Semester BWL studiert und mit dem Master abgeschlossen.“

  • Wo lagen Ihre Schwerpunkte? „Dort habe ich mich vor allem auf den Bereich Marketing, insbesondere Online-Marketing spezialisiert.“

  • Welche praktischen Erfahrungen haben Sie? „Zusätzlich habe ich dieses Wissen in zwei Praktika bei namhaften Agenturen vertieft und dort unter anderem für Kunden die Facebook- und Instagram-Kanäle aufgebaut und betreut.“

  • Haben Sie auch Auslandserfahrungen? „Bei einem 6-monatigen Auslandssemester konnte ich zudem Einblicke in die Arbeit einiger kalifornischer Startups gewinnen. Gerade im Bereich Social Media Marketing sind die uns weit voraus…“

  • Was haben Sie gelernt und wie passt das zum Job? „Diese praktischen Erfahrungen, vor allem im Bereich des lokalen und Micro-Influencer-Marketings, passen aus meiner Sicht sehr gut zu den Anforderungen dieser Stelle. Und ich glaube mein Wissen hier gewinnbringend für Sie einsetzen und erweitern zu können.“

Der obige Text war im Grunde schon eine sehr kurze und kompakte Selbstpräsentation, die – ruhig und souverän ausgesprochen – nicht länger als drei Minuten dauert.

Weitere Beispiele für einen Einstieg können sein:

Vielen Dank für die Einladung und die Chance, mich hier vorzustellen. Mein Name ist Maria Muster, ich bin 27 und würde gerne drei Erfahrungen ins Zentrum meiner Selbstpräsentation stellen. Diese zeigen aus meiner Sicht am deutlichsten, warum ich zur Stelle passe: …
Das mache ich sehr gerne. Mein Name ich Frank Fertig und ich habe mir natürlich überlegt, warum Sie mich zum Vorstellungsgespräch eingeladen haben. Ich bin überzeugt, es sind vor allem folgende drei Kompetenzen aus meinem Werdegang, die für diese Stelle interessant sind: …

Der Vorteil an diesen Einstiegen ist, dass sie Ihnen zugleich eine Art Fahrplan auf den Weg geben. Statt sich im Kleinklein der Präsentation zu verzetteln, wissen Sie genau: Es geht um zwei oder drei Qualifikationen, die Sie hier herausstreichen und damit einen Bezug zum Unternehmen herstellen. Das lässt sich vorab prima üben und einstudieren.

Wenn Sie jetzt noch Ihre Motivation für die Stelle emotional spürbar machen, also echte Begeisterung zeigen, sammeln Sie weitere Pluspunkte. Sagen Sie also ganz deutlich: Was reizt Sie an diesem Job? Warum wollen Sie ihn unbedingt?


 TIPP: Bitte keine falsche Bescheidenheit
 Bescheidenheit ist eine Zier – weiter kommt man aber ohne ihr.  Jedenfalls als Mann im Vorstellungsgespräch. Das empfiehlt zumindest  Laurie Rudman von der Rutgers Universität in New Jersey. Insbesondere  männliche Personalentscheider mögen an männlichen Bewerbern nicht, wenn  diese zu moderat und bescheiden auftreten. Kurz gesagt: Es lässt sie  weniger ambitioniert  und schwächer erscheinen. Das gilt bei weiblichen Kandidatinnen zwar  genauso. Männer aber kostet der bescheidene Auftritt ungleich mehr  Sympathiepunkte.
 Ein kleiner Trick, um selbstbewusst und zugleich präsent zu wirken,  sind übrigens Namen – also die Namen der Anwesenden. Versuchen Sie sich  diese bei der gegenseitigen Vorstellung ganz am Anfang unbedingt zu  merken und sprechen Sie die Personen im Verlauf des Vortrags ein-,  zweimal persönlich an. Mit Namen erwähnt und angesprochen zu werden, hat  eine enorme psychologische Wirkung und steigert Sympathien. 
 Die gute Nachricht: Eine gelungene Selbstpräsentation können Sie  wunderbar daheim – vor dem Spiegel oder als Videoaufzeichnung mit dem  Smartphone – üben. Proben Sie den Vortrag aber ruhig auch vor echten  Zuhörern, wie Freunden, Geschwistern, Eltern. Die geben Ihnen zudem  Rückmeldungen und Tipps, wie Sie wirken und was sich verbessern lässt. 

Vorbereitung: So bereiten Sie sich auf die Selbstpräsentation vor

Sie sollen in Ihrer kurzen Selbstdarstellung allerdings nicht nur die Stationen Ihres Lebenslaufs chronologisch nachbeten – Gähn! Das ist wenig originell. Bei Ihrem Persönlichkeitsprofil geht es vielmehr um die prägenden Highlights, also die wirklich wichtigen Stationen und Erfahrungen, die Sie zugleich für die vakante Stelle des potenziellen Arbeitgebers empfehlen.

Um sich darauf optimal vorzubereiten, müssen Sie also zunächst die genauen Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle und die wesentlichen Spezifika der Branche und des Unternehmens recherchieren.

Vieles geht oft schon aus der Stellenanzeige hervor. Anderes lässt sich heute leicht im Internet herausfinden – zum Beispiel auf den Karriereseiten des Unternehmens, bei Xing oder durch Artikel in der Presse.

  • Auf dieser Basis suchen Sie nun dazu passende und qualifizierende Stationen in Ihrem tabellarischen Lebenslauf und formulieren diese zu Argumenten um, die für Sie als Idealbesetzung für diesen Job sprechen. Vor allem d