2.1. Assessment Center: 8 Übungen & Tipps zur Vorbereitung

Aktualisiert: 19. Okt 2020

Auf die Freude über die Einladung zum Assessment Center (oder kurz „AC“) folgt bei den meisten ein Moment der Nervosität und Panik. Ein Auswahlverfahren, das nur dafür konzipiert wurde, die Teilnehmer auf Herz und Nieren zu prüfen, versetzt schon beim Gedanken daran in eine Stresssituation. Doch in erster Linie ist das Assessment Center Ihre Chance, den Job zu bekommen.

Wer im Assessment Center besteht, ist seinem Traumjob ganz nahe. In den verschiedenen Assesment Center Übungen können Sie unter Beweis stellen, dass Sie der beste Kandidat für die freie Stelle sind. Dafür braucht es die richtige Vorbereitung und Wissen über die Übungen, die auf Sie zukommen. Hier erfahren Sie, was Sie zum Assessment Center wissen müssen. Zusätzlich haben wir detaillierte Beschreibungen zu allen Übungen im Assessment Center für Ihre Vorbereitung zusammengestellt…


Definition: Was ist ein Assessment Center?

Der Begriff „Assessment“ kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Bewertung“, „Einschätzung“ oder „Feststellung“. Beim Assessment Center handelt es sich um ein komplexes Auswahl- beziehungsweise Beurteilungsverfahren, mit dessen Hilfe die Eignung eines Kandidaten für eine bestimmte Position eingeschätzt wird.

Mittelständler nutzen sie vorrangig zur Personalauswahl, Konzerne unterstützen damit auch die Personalentwicklung. In den Zwanzigerjahren wählte das deutsche Militär mit solchen Tests seinen Offiziersnachwuchs aus. Mit dem Krieg gerieten die Übungen jedoch in Vergessenheit. Erst in den Fünfzigerjahren entdeckten sie US-Unternehmen neu. Das erste neue Assessment Center in Deutschland organisierte der US-Konzern IBM 1969.

Dieses Test-Verfahren wird entweder in Eigenregie vom Unternehmen selbst durchgeführt und entwickelt oder mit Unterstützung von externen Beratern. Die Beurteilung der Kandidaten kann einzeln oder in Gruppen durchgeführt werden. Unabhängig davon, ob das Verfahren mit Einzelpersonen oder Gruppen durchgeführt wird, ist ein Assessment Center eine Kombination aus verschiedenen Tests, Übungen, Plan- beziehungsweise Rollenspielen und Auswahlgesprächen.

Das Verfahren besteht aus mehreren Runden und kann bis zu drei Tage dauern. Zudem gibt es einige Begriffe, die von Arbeitgebern synonym zum Assessment Center verwendet werden. Ist beispielsweise von einem Bewerbertag, Auswahlseminar, mehrtägigen Auswahlverfahren, Bewerbertest oder Testverfahren die Rede, ist oftmals ein AC gemeint und Sie sollten sich entsprechend auf ein solches einstellen.


Typische Phasen und Ablauf im AC

Die Gestaltung und Durchführung eines Assessment Centers liegt grundsätzlich beim Unternehmen. Ein Auswahlverfahren kann somit individuell gestaltet und präzise an die Erwartungen und Bedürfnisse von Unternehmen angepasst werden. Dennoch orientieren sich die Abläufe dabei an einem wiederkehrenden Muster. So sehen Assessment Center in der Regel aus…

Phase 1: Selbstpräsentation

➠ Bisheriger beruflicher Werdegang ➠ Wesentliche Meilensteine und Erfolge ➠ Stärken mit Bezug zur Stelle

Phase 2: Übungen

➠ Postkorbübung ➠ Intelligenztest / Konzentrationstests ➠ Präsentation halten ➠ Einzel-Interview

Phase 3: Rollenspiele

➠ Fallstudie lösen / Fact-Finding-Übung ➠ Gruppendiskussion ➠ Sozialkompetenz und Durchsetzungsstärke

Phase 4: Feedback

➠ Frage nach Selbsteinschätzung ➠ Rückmeldung der Beobachter ➠ Abschließende Beurteilung

Für Sie ergibt sich daraus die Möglichkeit, sich gut auf die vor Ihnen liegenden Tage einzustellen und die verschiedenen Phasen im Assessment Center vorzubereiten. Bevor wir also genauer auf die jeweiligen Übungen eingehen, zeigen wir Ihnen zunächst, wie Sie sich auf das Auswahlverfahren vorbereiten können.


Assessment Center Vorbereitung: So bestehen Sie die Auswahl

Vorbereitung ist bekanntlich die halbe Miete – das gilt auch im Assessment Center. Zwar werden Sie nicht ohne Aufregung zum Termin erscheinen, doch gut vorbereitet werden Sie sich spürbar besser fühlen. Und noch wichtiger: Sie treten der Herausforderung nicht völlig ahnungslos gegenüber, wodurch Sie vor bösen Überraschungen geschützt sind. Eine gute Vorbereitung wird dafür sorgen, dass Sie sich schneller an die Situation anpassen und sich wirklich auf die Aufgaben konzentrieren können, um Ihre Chancen auf ein erfolgreiches Abschneiden zu maximieren. Neben der Vorbereitung auf die Aufgaben (dazu kommen wir im nächsten Abschnitt), gilt es auch das gesamte Drumherum des Assessment Centers vorzubereiten. Hier einige Anregungen:

  • Schauen Sie sich den Ablauf genau an Mit dem Einladungsschreiben erhalten Sie zusätzlich Informationen zum Ablauf des Assessment Centers. Gehen Sie den Ablauf genau durch. Antizipieren Sie mögliche Aufgabenfelder und bereiten Sie sich auf diese vor.

  • Planen Sie Ihre Anreise Werden Sie an einem mehrtägigen Assessment Center in einer anderen Stadt teilnehmen, organisieren Sie rechtzeitig Ihre Anreise. Kümmern Sie sich um eine Unterkunft und planen Sie bei der Anfahrt genügend Pufferzeit ein, damit Sie auf jeden Fall pünktlich sind.

  • Sammeln Sie Informationen zum Unternehmen Kennen Sie die Firmengeschichte? Was wissen Sie über die verschiedenen Tätigkeitsfelder? Was wissen Sie über die verschiedenen Standorte? Wichtige Zahlen, wie beispielsweise Gründung und Anzahl der Mitarbeiter sollten Sie aus dem Stehgreif nennen können.

  • Setzen Sie sich mit dem Jobprofil auseinander Möchten Sie befördert werden oder bewerben Sie sich als Führungskraft, sollten Sie sich mit den Anforderung, der von Ihnen angestrebten Position, auseinandersetzen. Was sind die Hauptaufgaben? Was sind Schwierigkeiten? Mit wem würden Sie zusammenarbeiten?

  • Halten Sie sich auf dem Laufenden Das gilt sowohl für aktuelle Geschehnisse in Politik und Wirtschaft als auch für Geschehnisse in der eigenen Branche. Für Fallbeispiele oder Analyseaufgaben im Assessment Center kann es notwendig sein, dass Sie die aktuelle Lage in Betracht ziehen. Dazu empfiehlt es sich auch mal einen Blick in die Tagespresse zu werfen.

Assessment Center Vorbereitung: 99 Tipps Wir haben 99 Tipps zur Vor- und Nachbereitung, zum Einstieg, zu der richtigen Strategie und den Tabus für Sie zusammengestellt. Diese können Ihnen zur Vorbereitung dienen. Zusätzlich enthält die Checkliste weitere Tipps und Strategien, um Ihre Chancen im Assessment Center zu steigern sowie Tabus, die Sie im Auswahlverfahren vermeiden sollten.

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Assessment Center Übungen: Erklärungen, Lösungen, Tipps

Im Assessment Center möchte sich das Unternehmen ein genaues Bild von Ihren Soft Skills machen. Wie arbeiten und denken Sie? Wie kreativ sind Sie? Wie selbstbewusst und durchsetzungsfähig sind Sie? Wie gehen Sie mit anderen um? Wie verhalten Sie sich, wenn Probleme auftreten? Nur durch Gespräche und Beobachtungen lassen sich diese Fähigkeiten und Qualifikationen kaum feststellen.

All diese Eigenschaften werden daher mithilfe spezieller Aufgaben und Übungen im Assessment Center abgefragt und auf die Probe gestellt. Mal geht es darum, im Team zusammenzuarbeiten und mal müssen Sie sich als Einzelperson profilieren. Wir stellen Ihnen die Klassiker der Übungen im Assessment Center vor, die immer wieder gerne abgefragt werden, und geben Ihnen Tipps, wie Sie diese am besten meistern:


1. Die Selbstpräsentation

Übersicht zur Selbstpräsentation Art der Übung --> Einzelaufgabe für einen Teilnehmer Durchschnittliche Dauer --> 5 bis 10 Minuten Vorbereitungszeit im AC --> Keine oder nur wenige Minuten; Vorbereitung erfolgt zuhause Fähigkeiten im Fokus --> Erster Eindruck, Selbstbewusstsein, Motivation, Authentizität, Kommunikationsstärke Häufigkeit im Assessment Center --> Immer Tipps zur Vorbereitung --> Stärken und Schwächen analysieren, Werdegang zusammenfassen, Motivation aufs Unternehmen beziehen, Selbstpräsentation häufig üben Los geht es fast immer mit der sogenannten Selbstpräsentation. Darin soll sich der Kandidat kurz und prägnant vorstellen. Wer hier überzeugend und authentisch auftritt, kann Sympathiepunkte sammeln. Sind Sie Bewerber auf einen konkreten Job, müssen Sie zudem Bezug auf die ausgeschriebene Stelle und das Unternehmen nehmen.

Anschließend gilt es, seine persönlichen Stärken und Erfolge im Vortrag prominent zu platzieren – als Einstieg oder als Höhepunkt zum Schluss, beides wirkt. Rückfragen der Prüfer zu Schwächen sind Usus – also sollten Sie sich davon nicht überraschen oder verunsichern lassen!

Überlegen Sie ebenfalls, welche Aufgaben Ihnen schwerfallen: Was tun Sie, um diese Schwächen in den Griff zu bekommen? Wer solche Fragen souverän beantwortet, sammelt weitere Pluspunkte.

In dieser Übung werden zudem Umgangsformen und Körpersprache bewertet:

  • Steht oder sitzt der Kandidat selbstbewusst da?

  • Sucht er den Blickkontakt zu Teilnehmern und Beobachtern?

  • Oder zeigt er nervöse Ticks, wie Fingerklopfen oder Spielen mit Stiften?

Wer schon zu den Fachkräften im Unternehmen gehört und wessen Führungspotenzial nun ausgeleuchtet werden soll, muss dagegen eher mit Fragen zu seinen bisherigen Projekten, Problemen und Erfolgen rechnen.

Mit abstraktem Geschwätz oder angelesenen Weisheiten sollte aber niemand versuchen, seine Prüfer zu beeindrucken. Blender entlarven diese sofort mit geschickten Fangfragen. Was hilft, sind allein Ehrlichkeit und gute Vorbereitung.

Halten Sie also gute Antworten parat zu Fragen wie:

  • Was machen Sie den ganzen Tag?