2.8. Stressfragen im Vorstellungsgespräch: Cool bleiben!

Manchmal verläuft ein Bewerbungsgespräch ganz anders als erwartet. Manchmal greifen Personaler unvermittelt auf sogenannte Stressfragen im Vorstellungsgespräch zurück. Die setzen Kandidaten erst einmal gehörig unter Druck und bringen manchen auch gleich noch aus dem Konzept – und das sollen sie auch.

Was hinter diesen Stressfragen steckt, ist die Erkenntnis, dass Vorstellungsgespräche alles andere als immer ehrlich verlaufen. Jeder will sich von seiner Schokoladenseite präsentieren und hat sich entsprechend vorbereitet.

Um dieses heimliche Drehbuch im Jobinterview zu knacken, setzen Personaler einen alten Regie-Trick ein: die freie Improvisation. Wie Sie darauf am besten reagieren…


Warum Stressfragen im Vorstellungsgespräch?

Natürlich sind solche Stressfragen im Vorstellungsgespräch erst einmal nichts weiter als ein fieser Rhetorik-Trick. So mancher Personaler greift bei seinen Interviews auf ungewöhnliche bis fragwürdige Methoden zurück. Und mancher schießt dabei auch über das Ziel hinaus, indem er oder sie illegale beziehungsweise unzulässige Fragen stellt, die Sie natürlich nicht beantworten müssen.

Die meisten Stressfragen fallen aber nicht darunter, sondern sollen lediglich die Belastbarkeit von Bewerbern testen und diese aus der Reserve locken. Der Personalentscheider will Sie sozusagen ganz authentisch erleben – zwar unter Stress, aber dafür ungeschminkt. Die erste Reaktion, die Sie nicht einstudieren konnten.

Rechnen sollten Sie aber dennoch damit.


Arten von Stressfragen im Vorstellungsgespräch

Von diesen sogenannten Stressfragen gibt es unzählige Variationen. Die meisten lassen sich jedoch in diese fünf Arten unterteilen. Diese Stressfragen sind typisch:


Analogie-Fragen

Diese Fragen scheinen auf den ersten Blick völlig sinnlos und haben zunächst auch scheinbar nichts mit dem Job zu tun. Scheinbar. Tatsächlich ist der Gedanke dahinter, dass Sie dabei über sich selbst sprechen, jedoch in einem anderen Kontext. In den meisten Fällen geht es dabei um Ihre Motivation, Ihre Werte und (beruflichen) Ziele. Also letztlich um weitere Facetten Ihrer Persönlichkeit und Ihre Soft Skills. Zu dieser Sorte Stressfragen gehören zum Beispiel:

  • Was ist Ihr persönliches Geheimnis?

  • Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie?

  • Wenn Sie ein Superheld sein könnten, welche Superkraft hätten Sie?

  • Was würden Sie tun, wenn Sie im Lotto gewinnen?

  • Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

  • Was wollen Sie werden, wenn Sie groß sind?

  • Was haben Sie heute morgen gefrühstückt?

  • Was machen Sie, wenn Sie Spass haben wollen?

  • Wie mache ich mich in Ihren Augen als Interviewer?

  • Welche Frage möchten Sie nicht gestellt bekommen?

  • Welche war Ihre schwächste Passage in diesem Vorstellungsgespräch?

Fangfragen

Bei Bewerbern sind Fangfragen besonders unbeliebt, weil sie die Chance bieten, sich mit einer unbedachten Antwort ins Aus zu katapultieren. Schon die Art und Weise, wie Kandidaten diese Stressfragen beantworten, verrät dem Personaler viel über Motivation, Arbeitsweisen und berufliche Ziele des Bewerbers. Zu dieser Art Fragen gehören wiederum:

  • Warum haben Ihre bisherigen Bewerbungen noch keinen Erfolg gehabt?

  • Woher wissen Sie, dass Sie einen guten Job gemacht haben?

  • Wie würden Sie sich selbst in nur einem Wort beschreiben?

  • Was ist die schlechteste Eigenschaft, die Ihnen andere nachsagen?

  • Auf welche Ihrer bisherigen Leistungen sind Sie besonders stolz und warum?

  • Was werden Ihre Kollegen hier von Ihnen lernen?

  • Können Sie sich Gründe vorstellen, warum jemand nicht gerne mit Ihnen zusammen arbeitet?

  • Was kann Ihnen diese Position bieten, das Ihre bisherige nicht kann?

  • Wann haben Sie das letzte Mal die Regeln gebrochen und warum?

  • Was mochten Sie an Ihrem bisherigen Job am wenigsten?

  • Was schuldet ein Unternehmen seinen Mitarbeitern?

  • Wie finden Sie es, geführt zu werden?

  • Haben Sie heute eine schlechten Tag oder treten Sie immer so auf?

Provokationen, die keine Fragen sind

Zuweilen verkleiden sich Stressfragen auch als provokative Aussagen mit offenem Ausgang. Sie sollen also irgendeine Reaktion oder Aussage von Ihnen hervorrufen – insbesondere, wenn die Fragen versuchen, den Finger in eine potenzielle Wunde zu legen beziehungsweise eine Schwäche zu offenbaren. Beispiele solcher Stressfragen sind:

  • Oh, schon drei Monate auf Jobsuche…

  • Sie haben ja ziemlich lange studiert.

  • Sie haben also Ihre Ziele im bisherigen Job nicht erreicht…

  • Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Sie ins Unternehmen passen.

  • Erzählen Sie mir mal was von sich, das nicht in Ihrem Lebenslauf steht.

  • Und das soll Sie also von anderen Bewerbern unterscheiden…

  • Da sind aber einige versteckte Botschaften in Ihrem Arbeitszeugnis!

  • So viele Praktika – und trotzdem hat man Sie nie übernommen.

  • Sie waren ja noch nie weit weg von Ihrem Heimatort oder im Ausland.

  • Ich habe den Eindruck, Sie haben sich auch noch woanders beworben.

  • Erklären Sie mal einem Blinden die Farbe Rot.

  • Verkaufen Sie mir diesen Bleistift!

Brainteaser

Sogenannte Brainteaser im Bewerbungsgespräch zielen vor allem auf die Intelligenz, Kreativität, Auffassungsgabe, Analysestärke und das logische Denken des Kandidaten ab. Große Unternehmen wie beispielsweise Google sind berüchtigt solche Knobelaufgaben, Schätzfragen und Logikrätsel. Darunter fallen etwa:

  • Wie viele Klavierstimmer leben in Chicago?

  • Warum sind Kanaldeckel rund und nicht eckig?

  • Wie viele Kalorien gibt es in einem Supermarkt?

  • Wozu dient der Filz auf dem Tennisball?

  • Wie schwer ist New York?

  • Wie viele Gärten gibt es in Deutschland?

  • Wie viele Blätter Papier werden an einem Tag in Deutschland kopiert?

  • Wie oft am Tag überlappen sich die Zeiger einer Uhr?

  • Welcher Tag ist morgen, wenn vorgestern der Tag nach Montag war?

  • Die Ziffern von 1 bis 9 wurden in eine völlig neue Reihenfolge gebracht, sie lautet: 8 3 1 5 9 6 7 4 2. Welches Ordnungsprinzip steckt dahinter?

Trichterfragen

Dieser Stressfragen-Typus hat die unangenehme Eigenschaft zunächst überhaupt nicht nach einer Stressfrage auszusehen, sondern völlig harmlos daher zu kommen. Der Personalentscheider fragt Sie beispielsweise: „Wie zufrieden waren Sie mit Ihrem letzten Projekt, das Sie geleitet haben?“ Klingt noch nicht nach Stress, oder? Doch dann setzt Ihr Interviewer nach:

  • Wie viele Mitglieder hatte Ihr Team?

  • Wie groß war das Budget für das Projekt?

  • Wie groß war Ihr Anteil an der G