3.7. Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch: Das ist verboten!

Die meisten Fragen im Vorstellungsgespräch sind völlig legitim und legal. Zum Beispiel die nach der Motivation für den Job. Oder die nach den Gehaltsvorstellungen. Daneben gibt es unzulässige Fragen, die manche Personaler stellen. Solche verbotenen Fragen können Bewerber ins Trudeln bringen. Sie müssen aus juristischer Sicht allerdings nicht beantwortet werden. Zumindest nicht wahrheitsgemäß. Tatsächlich gibt es bei unzulässigen Fragen ein Recht zur Lüge…

Unzulaessige Fragen im Vorstellungsgespr
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Bewerbungsgespräch: Diese Fragen sind verboten

Fehlbesetzungen kommen Unternehmen teuer zu stehen. Daher ist es verständlich, dass Personaler möglichst viel über Bewerber erfahren wollen. Der Arbeitgeber in spe hat deshalb ein grundsätzliches Fragerecht. Bewerber wiederum haben ein Recht auf Privatsphäre. In diesem Spannungsfeld bewegt sich das Vorstellungsgespräch. So gibt es zahlreiche unzulässige Fragen, die Bewerber nicht beantworten müssen oder mit einer Lüge antworten dürfen. In der folgenden Checkliste finden Sie eine Übersicht der unerlaubten Fragen, die im Vorstellungsgespräch (eigentlich) nicht gestellt werden dürfen:

Fragen zur Familienplanung

Unzulässig sind…

  • Fragen zum Familienstand

  • Fragen zur sexuellen Neigung (homo- oder heterosexuell)

  • Fragen zu einer bestehenden Schwangerschaft

  • Fragen zum Kinderwunsch

  • Fragen zur Tätigkeit des Partners

  • Fragen zu den anderen Familienmitgliedern oder Verwandten

Fragen zur gesundheitlichen Situation

Unzulässig sind…

  • Fragen zum derzeitigen Gesundheitszustand

  • Fragen zu einer vorhandenen Behinderung

  • Fragen zur vergangenen Erkrankungen (inklusive Dauer)

  • Fragen zu schweren Krankheiten in der Familie

Fragen zu privaten Ansichten

Verboten sind…

  • Fragen zur Religion und Konfession

  • Fragen zu einer Parteizugehörigkeit

  • Fragen zur Gewerkschaftszugehörigkeit

Generelle Fragen zur Person

Verboten sind…

  • Fragen zum Alter

  • Fragen zur Herkunft

  • Fragen zu Vorstrafen, Straftaten oder Gefängnisaufenthalten

  • Fragen zum Umgang mit Geld

  • Fragen zu einer möglichen Verschuldung

  • Fragen zu den Vermögensverhältnissen in der Familie

  • Fragen zum Privatleben allgemein

Unzulässige Fragen: Sind Sie schwanger?

Die bekannteste unzulässige Frage ist die nach einer akuten Schwangerschaft. Bewerberinnen dürfen diese Frage mit einer Lüge beantworten. Erst recht muss die Bewerberin nicht von sich aus offenbaren, dass sie schwanger ist. Die mutigeren Kandidatinnen können die verbotene Frage auch mit einem Augenzwinkern und einer Gegenfrage kontern. Zum Beispiel: „Ist die Schwangerschaft etwa eine Voraussetzung für den Job? Ich fürchte, ich habe das in der Stellenanzeige überlesen…“

Zugegeben, nicht jeder Personaler reagiert auf derlei Gegenfragen positiv. Es bleibt Ihre Entscheidung, ob es in der Situation und zur Gesprächsatmosphäre passt. Aber wahrheitsgemäß beantworten müssen sie derlei unzulässige Fragen nach der Schwangerschaft nicht. Hier ist eine Notlüge erlaubt.

Das gilt sogar dann, wenn Sie als Schwangerschaftsvertretung eingestellt werden sollen: Eine Bewerberin sollte als Schwangerschaftsvertretung eingestellt werden, verheimlichte aber, dass sie selbst schwanger war. Absolut zulässig, urteilten die Richter des Landesarbeitsgerichts Köln (Az.: 6 Sa 641/12). Dies gelte sogar, falls ein befristeter Arbeitsvertrag geschlossen werden soll und die Bewerberin durch die Schwangerschaft einen wesentlichen Teil der Vertragszeit nicht arbeiten kann. Pech für Arbeitgeber.


Wie Personaler verbotene Fragen umgehen

Laut Antidiskriminierungsgesetz (AGG) dürfen Bewerber unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch zwar immer mit einer Lüge beantworten, wenn zu befürchten ist, dass die Wahrheit zu einer Diskriminierung führt. Doch clevere Personaler umgehen diese Regelungen, indem Sie die Fragen umformulieren. Die Frage nach dem Alter ist zum Beispiel verboten. Der Personaler darf aber nach der beruflichen Erfahrung fragen. Die wiederum gibt indirekt Aufschluss über das Alter. Ähnlich ist es bei der Frage nach der Herkunft. Die ist so verboten. Erlaubt ist aber, nach der Muttersprache zu fragen.


Unzulässige Fragen: Ausnahmen & Offenbarungspflicht

Wo eine Regel existiert, da gibt es auch Ausnahmen. Tatsächlich gibt es Fälle, in denen Bewerber – eigentlich verbotene Fragen – doch wieder beantworten müssen. Teils sogar eine regelrechte „Offenbarungspflicht“ haben.

Beispiel Schwangerschaft: Wenn der Job die Gesundheit der werdenden Mutter oder die des Kindes gefährdet (weil dafür ein gewisser körperlicher Einsatz erforderlich ist – beispielsweise als Model oder Tänzerin), darf der Chef sehr wohl nach einer Schwangerschaft fragen – und die Frage muss auch wahrheitsgemäß beantwortet werden. Bei einer Lüge hätte der Arbeitgeber später das Recht zur Anfechtung des Vertrages. Ähnliches gilt für folgende unzulässige Fragen. Sie müssen immer dann wahr beantwortet werden, wenn die Information für den Job relevant ist. Dazu gehören:

  • Fragen zu den Vermögensverhältnissen, insbesondere Schulden (etwa bei Bankangestellten, Kassierern)

  • Fragen zu Vorstrafen (etwa bei Juristen oder angehenden (Polizei)Beamten)

In einigen Fällen unterliegt der Bewerber sogar einer Offenbarungspflicht. Heißt: Der Bewerber muss „von sich aus“ den Arbeitgeber darüber informieren. Zum Beispiel bei:

  • Verurteilung zu einer Haftstrafe, sofern die in nächster Zeit angetreten wird und länger dauert.

  • Ansteckender Krankheit, sofern eine Gefährdung der Kollegen vorliegt.

  • Schwere Krankheit/Schwerbehinderung, sofern diese ihn von vornherein an der Ausübung hindert.

  • Wettbewerbsverbot durch die vorherige Arbeitsstelle, sofern der potenzielle Arbeitgeber im Wettbewerb mit dem alten ist.

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