3.8. Rückfragen: Die 80 besten im Vorstellungsgespräch

In jedem Vorstellungsgespräch kommt der Teil, in dem Sie eigene Fragen stellen können – die sogenannten Rückfragen. Nachdem Sie schon einige Fragen der Personaler beantworten mussten, kommt nun die Phase der eigenen Fragen. Diese Phase der Rückfragen im Vorstellungsgespräch wird meist so eingeleitet: „Haben Sie noch Fragen?“ Die einzig richtige Antwort darauf: „Ja. Auf jeden Fall! Unbedingt!! Und zwar so einige!!!“ Dies ist eine wichtige Chance für Sie im Bewerbungsgespräch. Nutzen Sie diese bitte immer. Schon aus mehreren Gründen…


Warum sind eigene Fragen wichtig?

Wann immer Ihnen ein Personaler im Vorstellungsgespräch diese Frage stellt, ob auch Sie noch etwas wissen möchten und Rückfragen haben, sollten Sie auf keinen Fall schweigen oder gar den Kopf schütteln: Sie haben bitte eigene Fragen – immer! Schon aus zwei Gründen:

  1. Dies ist eine einmalige Gelegenheit, mehr über das Unternehmen und Ihren vielleicht zukünftigen Arbeitsplatz, den Chef, dessen Anforderungen und die Kollegen zu erfahren.

  2. Dies ist ein Test, der Ihr wahres Interesse an dem Job abklopft, aber auch ob und wie intensiv Sie sich auf das Vorstellungsgespräch und den Arbeitgeber vorbereitet haben.

An der Tiefgründigkeit und Cleverness Ihrer Rückfragen kann selbst ein ungeübter Personaler schnell erkennen, ob Sie nur die Stellenanzeige oder auch die Webseiten (Plural!) des Unternehmens sowie einschlägige Fachartikel dazu studiert haben. Natürlich gibt es noch weitere Gründe…


Warum Sie immer eigene Rückfragen stellen sollten

➠ Sie dokumentieren echtes Interesse. ➠ Sie beweisen, dass Sie vorbereitet sind. ➠ Kluge Fragen unterstreichen Ihre Intelligenz. ➠ Sie erfahren mehr über den Job und das Unternehmen. ➠ Wer fragt, der führt – das Gespräch.

Aber auch sonst hinterlassen Sie mit ein paar eigenen Gegenfragen immer einen guten Eindruck. Welche das sein könnten, zeigen wir Ihnen im Folgenden.


Rückfragen als Symbol der Eigeninitiative

So unglaublich das klingt: Mangelhafte Vorbereitung kommt nicht nur bei Anfängern vor. Immer wieder sitzen gestandene Manager im Jobinterview und kommen bei den Fragen, wieso sie sich für dieses Unternehmen interessieren oder was sie an diesem Job reizt, ins Schlingern. Wer derart schlecht präpariert erscheint, bleibt ohne Chance.

Eigene Fragen hingegen sind das Symbol für Eigeninitiative, Selbstbewusstsein, und sie signalisieren eine professionelle Einstellung. Gute Gegenfragen zu stellen, ist daher Ihre Pflicht. Eine der besten Rückfragen, die Sie im Vorstellungsgespräch einem Personaler stellen können, ist zum Beispiel diese hier:

Wenn Sie sich an Mitarbeiter erinnern, die Sie schon eingestellt haben: Was unterschied die Guten von den Besten?

Warum ist die Frage so klug? Weil Sie viel über die Wertvorstellungen des Unternehmens verrät und Sie damit einiges über die Leistungserwartungen erfahren – und zwar ohne plump zu fragen: „Was muss ich tun, um hier Karriere zu machen?“ Genau darum geht es bei diesen Rückfragen auch: ein bisschen um die Ecke denken, geschickt fragen und so zwischen den Zeilen mehr heraushören, als der Personaler oder der Chef in spe vielleicht preisgeben möchte.

Ein wirklich guter Arbeitgeber, der nichts zu verbergen hat und ein Personaler, der tatsächlich Leistungsträger und Talente einstellen will und nicht nur devote Ja-Sager, wird solche Fragen wertschätzen und darin einen pfiffigen Kopf mit Potenzial erkennen. Also bitte keine Scheu!

TIPP: Durch Zuhören eigene Fragen gewinnen

Einige gute Fragen können Sie sich – zum Beispiel mit unserer Liste unten – bereits vorab überlegen. Um richtig zu punkten, ist es aber noch wichtiger, dass Sie während des Vorstellungsgesprächs gut zuhören. Warum?

  • Sie vermeiden so, Fragen zu stellen, deren Antwort bereits zu Beginn des Gespräch gegeben wurde.

  • In der Kennenlern-Phase liefern Ihnen die Vorstellung des Unternehmens und ausgeschriebenen Stelle viele Anknüpfungspunkte für eigene Fragen.

Wer so das Gespräch lenkt und hohe Aufmerksamkeit beweist, kommt immer gut an.


Die besten Rückfragen im Bewerbungsgespräch

Die folgenden Fragen dürfen und sollten Sie jederzeit stellen. Vielleicht nicht alle auf einmal – es handelt sich schließlich um ein BewerbungsGESPRÄCH, kein VERHÖR. Aus der Erfahrung aus mehreren 100 Vorstellungsgesprächen und Personaler-Interviews wissen wir, dass diese 10 eigenen Fragen von Bewerbern nicht nur besonders gut ankommen (weil sie smart sind), sondern auch viel über den künftigen Arbeitgeber und Job verraten. Mindestens im Subtext der Antwort. Wir empfehlen, mindestens ein paar davon zu stellen:

  • „Wie definieren Sie Erfolg für diese Position?“

  • „Was erwarten Sie von dem idealen Kandidaten?“

  • „Was zeichnet Ihre besten Mitarbeiter aus?“

  • „Was könnte mich an diesem Job am meisten frustrieren?“

  • „Wie würden Sie den Führungsstil meines Chefs beschreiben?“

  • „Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?“

  • „Wie wird bei Ihnen Leistung gemessen und bewertet?“

  • „Wie werden bei Ihnen Talente und Stärken gefördert?“

  • „Warum arbeiten Sie gerne für dieses Unternehmen?“

  • „Wann kann ich mit Ihrer Entscheidung rechnen?“

Vor allem die erste Frage legen wir Ihnen ans Herz. Eine Variante davon ist auch: „Was muss ein Kandidat (aus Ihrer Sicht) mitbringen, um in dieser Position erfolgreich zu sein?“ Der Vorteil dieser Frage ist, dass Sie so schon im Vorstellungsgespräch viel über die Herausforderungen des Jobs erfahren. Und zwar mehr als in der Stellenanzeige steht. Zusätzlich erfahren Sie – indirekt – wie Ihre Chancen stehen, den Job zu bekommen. Je mehr Ihr eigenes Profil auf die Beschreibung und Antwort des Personalers passt, desto besser. Auch im Hinblick darauf, ob Sie wirklich zu dieser Stelle passen und dort reüssieren.


TIPP: Formulieren Sie offene Fragen

Durch systemisches Fragen übernehmen Sie de facto die Gesprächsführung. Von Führungskräften wird das sowieso erwartet – es ist eine Art Arbeitsprobe ihres Könnens. Aber auch von Mitarbeitern und künftigen Leistungsträgern.

Der Trick ist, dass Sie vor allem offene Fragen nutzen, um möglichst viele Informationen zu erhalten. Im Gegensatz zu „geschlossenen“ Fragen („War mein Vorgänger beliebt?“) sind „offene“ Fragen („Was können Sie mir über meinen Vorgänger erzählen?“) oft ein Wolf im Schafspelz und verleiten manchen Interviewer zum sprichwörtlichen Plaudern aus dem Nähkästchen. Um das noch weiter zu forcieren, können Sie die offenen Fragen noch mit Ich-Botschaften und kurzen Anekdoten garnieren. Zum Beispiel: „Bisher habe ich vor allem die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter… Wie sieht das bei Ihnen aus?“


Clevere Rückfragen Beispiele

„Warum ist die Stelle vakant?“

Die Position könnte neu geschaffen – oder einfach nur schwer zu besetzen sein, weil der Job ein Schleudersitz ist. Die Erwartungen an den Inhaber sind entweder zu hoch oder die Herausforderungen mit dem Budget und Team nicht zu schaffen. Besser Sie finden all das vorher heraus. Manchmal ist Ihr Vorgänger auch befördert worden. Klasse! Das wiederum könnte für einen sogenannten Durchlauferhitzer mit guten Beförderungschancen sprechen. Fassen Sie also hier ruhig weiter nach…


„Wie lange hat mein Vorgänger in der Position gearbeitet?“

Mithilfe dieser Frage erweitern Sie das Feld um die zeitliche Dimension. Sie finden damit auch indirekt heraus, wie schnell sich das Postenkarussell in diesem Unternehmen dreht.


„Was wurde aus Mitarbeitern, die in dieser Abteilung gearbeitet haben?“

Die Frage hat zwei Aspekte: Einmal erfahren Sie, ob und wie Angestellte hier gezielt weiterentwickelt und gefördert werden. In dem Fall sollte der Interviewer von ein paar spannenden Lebensläufen berichten können. Sie finden damit aber womöglich auch heraus, was mit jenen passiert, die in Ungnade fallen.


„Was unterscheidet die guten von exzellenten Mitarbeitern?“

Die Frage gehört zur Kategorie „tricky“. Vordergründig wollen Sie wissen, wie das Unternehmen Talent und Leistung definiert. Ganz nebenbei erfahren Sie aber auch, was man von Ihnen künftig erwartet. Obendrein verrät die Antwort noch viel über die Unternehmenskultur und wie offen diese wirklich für neue Ideen ist und diese wertschätzt. Was Sie gleich zur nächsten Frage bringt…


„Wie werden Talente und Stärken bei Ihnen gefördert?“

Erfolgreiche Unternehmen entwickeln Ihre Mitarbeiter weiter und arbeiten dem Peter Prinzip entgegen. Heißt: Sie fördern Ihre besten Seiten und suchen gleichzeitig die beste Position im Unternehmen dafür – was im Übrigen ein ständiger Prozess ist. Die Frage danach erinnert den Personaler im Bewerbungsgespräch daran, dass Sie Ihren Beruf nicht nur für Geld ausüben, sondern wachsen wollen – und langfristig denken.


„Wie sieht Erfolg in den ersten 90 Tagen aus?“

Als Neuer genießen Sie anfangs so etwas wie Welpenschutz. Sie dürfen viele Fragen stellen, Fehler machen, lernen. Aber irgendwann wird man von Ihnen erste Fortschritte und Erfolge erwarten. Ziel dieser Frage ist, herauszufinden, wie die Erwartungen an Sie aussehen und wie realistisch diese sind. Insbesondere wie der Job nach 90 Tagen aussieht…


„Welche Herausforderungen erwarten mich in den ersten 90 Tagen?“

Diese eigene Frage klingt ähnlich wie die Frage davor, ist aber doch ein bisschen anders. Hier interessiert vor allem der Subtext: Achten Sie auf die Zwischentöne und bohren Sie ruhig ein bisschen nach – um welche Herausforderungen geht es genau? Welche Konflikte lauern wo? Wie ist das Team zusammengesetzt? Wie offen geht das Unternehmen mit Schwierigkeiten um? Das ist übrigens völlig legitim, schließlich wollen Sie den Job auch schaffen und die Probezeit überstehen.


„Welchen Herausforderungen muss sich Ihr Unternehmen aktuell stellen?“

Gleiche Frage, nur eine Dimension größer. Gewiss, man wird Ihnen kaum erzählen, dass die Company kurz vor der Insolvenz steht. Aber vielleicht erfahren Sie etwas über das (Selbst-)Bewusstsein der Firma – wo diese aktuell im Markt steht und künftig stehen will. Die wichtigste Frage – wenn auch verhüllt gestellt – dabei ist natürlich: „Befindet sich das Unternehmen auf Wachstumskurs oder Schrumpfkur?“


„Warum arbeiten Sie für dieses Unternehmen?“

Hier kommt es ein bisschen darauf an, wie Sie die Frage betonen. Sie darf weder despektierlich noch überrascht klingen, Motto: „Was? Immer noch hier???“ Aber mit aufrichtigem Interesse und einem Lächeln gestellt, entlocken Sie dem Personaler auf diese Weise ein paar sehr persönliche Einblicke in das Unternehmen und warum es Spaß macht, dort zu arbeiten. Und mal ehrlich: Kommt bei der Frage nicht mal der einstellende Personalentscheider ins Schwärmen, sollten die Alarmglocken nicht klingen, sondern donnern.


50 eigene Fragen im Vorstellungsgespräch

  • Wurde diese Stelle neu geschaffen?

  • Gab es einen Vorgänger für diese Stelle?

  • Arbeitet er oder sie noch im Unternehmen?

  • Was hat mein Vorgänger – aus Ihrer Sicht – richtig gut gemacht?

  • Was sollte ich – aus Ihrer Sicht – anders machen als mein Vorgänger?

  • Wie viele Vorgänger gab es?

  • Warum wurde die Stelle wieder frei?

  • Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Besetzung?

  • Woran machen Sie fest, dass ich meine Arbeit wirklich gut mache?

  • Aus Ihrer Sicht: Welche Erfolge sind idealerweise in den ersten Wochen zu erzielen?

  • Welche Kollegen können mich bei meinen Aufgaben optimal unterstützen?

  • Mit welchen Hindernissen sollte ich rechnen?

  • Wäre es möglich, meinen künftigen Arbeitsplatz zu besichtigen?

  • Darf ich mich eventuell mit anderen Angestellten unterhalten?

  • Wie groß ist die Abteilung?

  • Arbeiten Sie in abteilungsübergreifenden Teams?

  • Welche Aufgaben haben aus Ihrer Sicht höchste Prioriät?

  • Gibt es noch Anforderungen, die nicht in der Stellenausschreibung genannt wurden?

  • Welche Rolle spielt diese Stelle bei den Zielen des Unternehmens?

  • Was ist aus Ihrer Sicht der Teil des Jobs, der am meisten frustrieren könnte?

  • Wie würden Sie auf dieser Position beginnen?

  • Was ist der wichtigste Beitrag zum Erfolg des Unternehmens auf meiner Position?

  • Wie erklären Sie den bisherigen Erfolg Ihres Unternehmens?

  • Wie würden Sie meinen typischen Arbeitstag beschreiben?

  • Muss man in dieser Position viel reisen?

  • Wie lange und wohin – auch ins Ausland?

  • Gibt es bei Ihnen Gleitzeit oder echte Vertrauensarbeitszeit?

  • Wie viele Überstunden leisten die Mitarbeiter aktuell im Durchschnitt pro Woche?

  • Werden diese Überstunden ausbezahlt oder abgefeiert?

  • Haben Sie eine Home-Office-Regelung?

  • Kann ich meinen potenziellen Arbeitsplatz einmal persönlich sehen?

  • Wie sieht bei Ihnen die übliche Einarbeitungsphase aus?

  • Wie lange dauert bei Ihnen die Probezeit?

  • Wie werden Mitarbeiter bei Ihnen gefördert und entwickelt?

  • Gibt es ein Budget für Weiterbildungen?

  • Welche zusätzlichen Leistungen, neben dem Gehalt, bieten Sie Mitarbeitern an?

  • Wer wird mein direkter Vorgesetzter sein?

  • Was hat er oder sie für einen Hintergrund?

  • Wie würden Sie den Führungsstil meines Vorgesetzten beschreiben?

  • Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?

  • Wie hoch ist der Frauenanteil in Führungspositionen?

  • Hat Ihr Unternehmen vor, in der nächsten Zeit zu expandieren?

  • Wurden schon einmal Dienstleistungen ausgelagert – welche?

  • Welches Wissen sollte ich mir vor dem Beginn noch aneignen?

  • Wer wird alles über diese Bewerbung entscheiden?

  • Was müsste ich tun, um Ihnen die Entscheidung für mich zu erleichtern?

  • Haben Sie noch irgendwelche Zweifel an meiner Eignung für diese Position über die wir reden sollten?

  • Welche Persönlichkeit wünschen Sie sich vom künftigen Mitarbeiter an Ihrer Seite?


20 Rückfragen für Führungskräfte

Wer sich als Führungskraft bewirbt, von dem wird üblicherweise mehr erwartet, als von Berufseinsteigern. Sie sollen ein Team aufbauen, umbauen oder neu motivieren und zugleich maßgeblich dazu beitragen, dass das Unternehmen seine Ziele erreicht. Nicht selten spiegelt sich das auch in den Zielvereinbarungen des Arbeitsvertrags. Umso wichtiger ist es für die Managerinnen und Manager in spe, genau nachzufragen, wie die Rahmenbedingungen aussehen, was genau von ihnen erwartet wird und bis wann – erst recht, wenn Sie geholt werden, um Change Prozesse zu leiten und strukturelle Verkrustungen aufzubrechen.


20 Rückfragen, die Manager stellen können

  • Wie groß ist das Team?

  • Wie setzt es sich zusammen (Alter, Betriebszugehörigkeit, …)?

  • Wie hoch ist der Krankenstand beziehungsweise sind die Fehltage pro Mitarbeiter?