Coaching: Was es kann

Coaching boomt. Jeder zweite Manager hat sich in den vergangenen fünf Jahren coachen lassen. Die Menschen lassen sich heute in allen Lebenslagen und Lebensfragen begleiten, beraten und bei der Selbstoptimierung unterstützen.


Bewerbung, Job und Karrieregestaltung, Gesundheit und Ernährung, Partnerschaft und Liebe, Persönlichkeitsentwicklung und Image, Kapital und Kompetenz – Coaching gibt es überall. Und überall geht es darum, besser zu werden, Schwächen zu erkennen, sie auszubügeln, Stärken zu stärken, noch mehr aus sich heraus zu holen. Ständig auf dem Weg zum besseren Ich.

Bevor Sie sich in ein Coaching stürzen, sollten Sie aber überlegen, was Sie damit erreichen wollen und ob ein Coach Ihnen dabei wirklich helfen kann. Worauf kommt es beim Coaching an? Worauf sollte ich bei der Auswahl eines Coaches achten? Wir klären auf…


Was ist Coaching überhaupt?

Coaching scheint ein wahres Wundermittel zu sein. Wer alleine nicht weiterkommt, sucht sich einen Coach und in kürzester Zeit lassen sich die gesteckten Ziele erreichen, Veränderungen durchführen, Denkweisen verbessern und Erfolge erzielen. Bei diesem Ruf ist es nicht überraschend, dass es nicht nur unzählige Coaches und Trainer gibt, sondern auf der anderen Seite ebenso zahlreiche Coachees, Kunden und Klienten.

Hinter dem Trend zum Coaching steht dabei nicht selten Angst und Unsicherheit. Gehe ich in der masse unter? Kann ich noch mithalten? Bin ich gut genug? Coaching verspricht Hilfe und Unterstützung. Allerdings haben viele zunächst eine falsche Vorstellung davon, was Coaching wirklich ist und wie der Prozess abläuft.

Falsch ist, dass ein Coaching Ihnen Antworten auf dem Silbertablett präsentiert, Ihnen sagt und vorgibt, was Sie zu tun haben. Ebenso wenig ist ein Coach dafür zuständig, Ihnen neue Fähigkeiten oder Kompetenzen beizubringen. Noch viel weniger ist Coaching Ersatz für die Arbeit eines Psychotherapeuten: Kindheitstrauma, Angstzustände, Depressionen, Burnout oder Suchtprobleme sind nicht das Einsatzgebiet für klassisches Coaching.

Der Coach ist eher eine Art mentaler Unterstützer, ein Wegweiser, der seinem Gegenüber dabei hilft, selbst Erkenntnisse zu gewinnen und das Beste aus sich herauszuholen – wenn es sein muss durch schonungslose Ehrlichkeit.

Erfolgreiches Coaching orientiert sich dabei an einigen Grundsätzen:


Coaching ist interaktiv

Beim Coaching geht es nicht darum, dass eine Seite arbeitet und redet, während die andere Seite nur passiv zuhört und sich berieseln lässt. Erfolgreiches Coaching erfordert Zusammenarbeit von Coach und Coachee.


Coaching ist prozessorientiert

Ziel eines Coachings ist es nicht, vorgefertigte Lösungen zu präsentieren oder das Problem eines Klienten in passende Schablonen zu pressen. Ein guter Coach begleitet und unterstützt beim Prozess der Lösungsfindung. Dabei ermöglicht er es dem Coachee, seinen eigenen individuellen Weg zu finden und passende Strategien zu entwickeln.


Coaching ist neutral

Der Coach sollte keine eigenen Ziele verfolgen oder seinen Coachee in eine bestimmte Richtung lenken wollen. Das Coaching sollte möglichst neutral und unabhängig sein, damit der Klient seine eigenen Ansichten hinterfragen und Ideen entwickeln kann.


Coaching ist gleichberechtigt

Im besten Fall sollte Coaching möglichst auf Augenhöhe stattfinden und nicht das Gefühl verschiedener Hierarchien vermitteln. Der Coach steht nicht über dem Coachee, sondern Schulter an Schulter direkt an seiner Seite. Ein sinnvolles Coaching entwickelt sich zu einem Dialog, bei dem der Coach, fragt, nachhakt und genau hinhört.


Coaching ist freiwillig

Coaching muss auf freiwilliger Basis und aus Motivation des Coachee heraus erfolgen. Wird ein Coaching aufgezwungen oder nur widerwillig durchgeführt, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit kein Erfolg einstellen.


Wichtig ist deshalb auch zu verstehen, was Coaching kann – und was es eben nicht kann. Ein Coach kann vorhandene Begabungen Wecken, Impulse geben, auf Verbesserungen hinarbeiten, Selbstreflexion anregen und Sie bei der Persönlichkeitsentwicklung unterstützen.


Es kann aber eben doch keine Wunder bewirken, es macht nicht auf magische Weise erfolgreich, sondern kann lediglich auf dem Weg dahin helfen, wenn Sie bereit sind, die nötige Arbeit zu investieren und teilweise unangenehme Schritte und Veränderungen durchzumachen. Auch sollten Sie nicht erwarten, dass ein Coaching innerhalb kurzer Zeit einen komplett neuen Menschen aus Ihnen macht.


Coaching, Training, Beratung: Die Unterschiede

Beim Coaching werden viele Begriffe in einen Topf geworfen, synonym verwendet, durcheinander gebracht und verwechselt. So ist es oftmals schwer, die Unterschiede zu erkennen und zu verstehen, worum es überhaupt geht. Tatsächlich sind aber zum Beispiel Coaching und Beratung nicht identisch, auch wenn diese gerne gleichgesetzt werden.

Zur besseren Abgrenzung und Orientierung haben wir deshalb ein Glossar zu Coaching, Training, Supervision, Mentoring, Mediation & Co. zusammengestellt:


Coaching

Coaching hat in der Regel die Persönlichkeit des Klienten im Fokus. Der Coach hilft dem Coachee spezielle (berufliche) Fähigkeiten auszubauen oder zu verbessern, wobei dieser Entwicklungsprozess in erster Linie eine Art Selbstreflexion und „Hilfe zur Selbsthilfe“ bleibt. Im Gegensatz zur Beratung soll der Coachee die Lösung selber finden. Coaching kann aber auch ein Mix sein aus Beratung, Feedback und praxisorientiertem Training.


Training

Training dient in erster Linie dem Erlernen konkreter Fähigkeiten oder Verhaltensweisen. Dabei konzentriert sich der Trainer – anders als beim Coaching – weniger auf die Selbstreflexion seines Klienten, sondern auf konkrete Übungen und ein klares Trainingsziel. Die Rollen sind klar verteilt: Der Trainer ist der Experte und Meister, der Klient sein Schüler.


Mentoring

Mentoring ist ein Instrument der Personalentwicklung. Dabei kommt es zu einer Patenschaft zwischen einer (unerfahrenen) Führungskraft, dem „Mentee“ und einem meist älteren, erfahreneren Manager, dem „Mentor“, der sein Wissen und seine Erfahrungen an den Protegé weitergibt. Ziel ist, dem Mentee bei seiner persönlichen oder beruflichen Entwicklung auf die Sprünge zu helfen. Im Unterschied zum Coaching nimmt der Mentor keine neutrale Position ein, auch hier herrscht vorrangig ein Meister-Schüler-Verhältnis. Falls beide für dasselbe Unternehmen arbeiten verfolgt der Mentor zudem oft die Interessen des Arbeitgebers und nicht zwingend die seines Mentees.


Mediation

Mediation ist ein freiwilliges und außergerichtliches Schlichtungsverfahren bei akuten Konflikten. Beide mediierenden Parteien müssen dem Verfahren deshalb vorher zustimmen. Der Mediator ist zur Überparteilichkeit verpflichtet. Er trifft daher auch keine Entscheidungen, sondern leitet neutral die Aussprache und unterbreitet anschließend Einigungsvorschläge. Auch Beratung ist dabei eher unüblich.


Supervision

Supervision wiederum ist eine Beratungsform. Dabei werden in der Regel die Interaktionen und Verhaltensmuster innerhalb eines Teams oder einer Organisationen analysiert, um sie entweder zu verbessern oder potenzielle Konfliktherde zu beseitigen. „Supervisor“ und Klienten legen vorher fest, nach welchen Spielregeln das Ganze abläuft. Im Prozess selbst werden dann oft konkrete Situationen und das Innenleben der Beteiligten reflektiert, um die jeweiligen Motive transparenter zu machen.


Psychotherapie (bieten wir nicht an!)

Psychotherapie dagegen konzentriert sich auf die Behandlung von Menschen mit geistig-seelischen, körperlichen und psychosomatischen Krankheiten. Diese Aufgabe dürfen nur entsprechend ausgebildete Psychotherapeuten (mit Einschränkungen auch Heilpraktiker) übernehmen. Zwei Formen sind dabei besonders häufig: In der Tiefenpsychologie setzt sich der Patient vor allem mit seinem Unterbewusstsein auseinander. In der Verhaltenstherapie wird ihm geholfen, sich seine Gedanken und Bewertungen bewusst zu machen und – falls gewünscht – zu verändern.


Voraussetzungen: Sind Sie bereit für ein Coaching?

Ein Coaching lohnt sich immer und für jeden? Nicht ganz, denn Sie sollten einige Voraussetzungen erfüllen, um wirklich von einem Coaching profitieren zu können. Ansonsten verschwenden Sie möglicherweise Ihre Zeit und auch eine Menge Geld, ohne einen Nutzen daraus ziehen zu können.

Bevor Sie ein Coaching beginnen, sollten Sie sich fragen, ob die folgenden Punkte auf Sie zutreffen. Es handelt sich dabei um wichtige (mentale) Voraussetzungen für ein Coaching:

  1. Sie wollen sich verändern „Ich bleibe genau so, wie ich bin.“ Zufriedenheit mit sich selbst ist gut, doch wer glaubt, bereits perfekt zu sein und davon keinen Millimeter abrücken will, ist bei einem Coaching falsch aufgehoben. In einem solchen Fall suchen Sie lediglich Bestätigung, ein Coaching führt aber raus aus Ihrer Komfortzone und stellt Sie vor neue Herausforderungen.

  2. Sie sind neugierig Ein guter Coach, wird Ihnen dabei helfen, Horizonte zu erweitern, neue Ziele zu entdecken und zu verfolgen. Damit daraus ein Erfolg wird, sollten Sie nicht nur Veränderungswille mitbringen, sondern echten Abenteuerwillen. Die Lust und Neugier darauf, Neues zu lernen. Das ist etwas anderes als: „Na gut, dann probier ich das halt mal…“

  3. Sie können Ehrlichkeit vertragen Vor allem dann, wenn es weh tut? Ein guter Coach wird Ihnen den Spiegel vorhalten, womöglich auch Kritik üben. Zwar immer konstruktiv, aber wirken kann das nur, wenn Sie nicht sofort in die Defensive gehen, zuhören und das Gehörte ehrlich reflek