Den häufigsten Netzwerk-Fehler vermeiden

Wie bauen Sie Ihr Karriere-Netzwerk auf?

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Verbandsveranstaltung stellvertretend für Ihr Unternehmen. Jemand, den Sie noch nicht kennen, spricht Sie an. Doch diese Person weiß so allerhand über Sie. Zum Beispiel, dass Sie Ihren Job als Logistikleiter in Ihrem Unternehmen schon seit vier Jahren innehaben. Und dass Sie letztes Jahr das innovative Hochregallager als Projektverantwortlicher eingeweiht haben. Ebenso weiß diese Person, dass dieses Lager es Ihrem Unternehmen ermöglicht, auf engstem Raum die dreifache Lagerfläche zu realisieren. Somit konnten Sie einen viel teureren Umzug auf eine andere Fläche und höhere Transportkosten vermeiden. Ebenso weiß er, dass Sie mit einem belgischen Dienstleister gearbeitet haben und das neue Lager eine um 40% schnellere Warenausgabe ermöglicht als das alte Lager. Gut, das stand alles im Wirtschaftsteil der Zeitung, die damals überraschend groß darüber berichtete. Doch wieso weiß diese Person das alles?

Natürlich beantworten Sie bereitwillig verschiedene Fragen dieser neugierigen Person, denn offensichtlich interessiert sie sich wahnsinnig für Sie und Ihre Arbeit. Es sind zwar auch ein paar bekannte Gesichter auf dieser Veranstaltung, doch dieses Gespräch ist angenehm und spannend zugleich. Jedenfalls können Sie mal so richtig detailliert erzählen, wie Sie dieses Wahnsinns-Projekt in den vergangenen drei Jahren gestemmt haben.


Strategische, strukturierte Neugier lohnt

Was denken Sie über diesen Menschen, der so viel über Sie weiß und dann auch noch interessiert weitere Fragen stellt? Dieser Mensch weiß auch das eine oder andere über Ihre Branche und Ihr Fachgebiet. Kein Wunder, denn Sie beide arbeiten in derselben Branche, sind sozusagen entfernte Kollegen.

Ist er Ihnen sympathisch? Haben Sie Lust, sich mit dieser Person zu vernetzen?

Andere Menschen kennenzulernen und so das eigene Karriere-Netzwerk aufzubauen ist einfach: Zeigen Sie Interesse an der Person. Stellen Sie Fragen zu ihrem Fachgebiet und Expertenwissen. Wenn Sie nun noch zeigen, dass Sie die Arbeit dieser Person bereits vor Ihrer ersten Begegnung beobachtet, vielleicht sogar bewundert haben, haben Sie bei dieser Person unter Umständen ein Stein im Brett.

Wenn diese Person einmal einen Gefallen von Ihnen bräuchte, den Sie mit wenig Aufwand erfüllen könnten, wie z.B. einen Kontakt herstellen oder eine Information zu teilen, die nicht vertraulich oder geheim ist, würden Sie das tun? Vermutlich schon, vielleicht nicht gleich nach der ersten Begegnung, doch vielleicht sogar das.


Chance für Ihr Karriere-Netzwerk: firmenexterne oder firmeninterne Tagung

Einer meiner Ex-Marketing-Kollegen bei Unilever, nennen wir ihn Frank, machte das exzellent. Frank überlegte sich vor jeder Unilever-Verkaufstagung: Wen möchte ich diesmal kennenlernen? Mit wem möchte ich meine Beziehung intensivieren? Und dann recherchierte er über diese Person: Welche erfolgreichen Projekte hat diese Person in den letzten zwölf Monaten gewuppt? Welche persönlichen Parallelen gibt es zwischen dieser Person und ihm selbst? Frank wusste schon damals‚ Gemeinsamkeiten machen sympathisch. Wer mehr zum Thema Sympathie durch Gemeinsamkeiten wissen möchte, dem empfehle ich eins der besten 10 Bücher, die ich je gelesen habe „Die Psychologie des Überzeugens“ von Robert Cialdini von der Arizona State University.

Übrigens, die Personen, mit denen Frank sprach, waren nicht seine Kollegen. Es waren Kollegen seiner Chefin oder die Chefinnen seiner Chefin. Wer heute einen guten Job machen möchte, der netzwerkt mit Kollegen. Wer Karriere machen möchte, der netzwerkt nach oben. Dieses Gesetz hatte mein Ex-Kollege verinnerlicht.


Diesen Fehler machen viele: Einfach drauflos netzwerken!

Bevor Sie sich jedoch auf die Chefs Ihres Chefs stürzen, fragen Sie sich: Wozu möchten Sie netzwerken? Wobei soll Ihnen Ihr Karriere-Netzwerk helfen? Möchten Sie die Sitten und Gebräuche von Vorständen studieren, um darüber einmal ein Buch zu schreiben oder möchten Sie selbst einmal im Vorstand arbeiten? Wie möchten Sie sich im Unternehmen weiterentwickeln? Gleicher Fachbereich? Oder möchten Sie einmal als Expat nach Südostasien? Dann lernen Sie die Menschen kennen, die dort Einfluss haben oder schon einmal dort waren.

  • Netzwerken ohne Ziel ist nur Beziehungsaufbau.

  • Netzwerken mit Ziel ist das Anvisieren Ihrer Karriereziele.

Was liegt Ihnen am Herzen? Welchen Karriereschritt möchten Sie gern in ein, zwei oder drei Jahren machen? Beginnen Sie, heute zu netzwerken. Nicht erst in zwei oder drei Jahren.

Das gleiche gilt für firmenexterne Veranstaltungen. Wozu möchten Sie weitere Menschen kennenlernen? Definieren Sie zunächst Ihr Ziel, dann ist die Frage, wer für Ihr Netzwerken in Frage kommt, schneller beantwortet.


Netzwerken: XING und LinkedIn als wertvolle Informationsquellen

Im Internet können wir heute fast alles recherchieren. Und falls Sie bestimmte Informationen nicht erhalten, dann finden Sie vielleicht Menschen, die Ihnen mit Kontakten oder Informationen weiterhelfen können. XING und LinkedIn bieten dafür wertvolle Kontaktmöglichkeiten. Nach meinen Seminaren verbinde ich mich gern mit den Teilnehmern über diese Plattformen. So besteht eine etwas intensivere Beziehung, die ich bei Bedarf nutze.

Auch ich möchte beim Netzwerken besser werden. Jedes Mal, wenn ich Informationen über Kollegen hatte und diese im Gespräch genutzt habe, waren die Gespräche angenehmer und intensiver. Vor meiner nächsten Speaker-Konferenz werde ich meine Neugier etwas mehr ausleben, recherchieren und diese Informationen beim Netzwerken nutzen.


Vier Schritte zu Ihrem Karriere-Netzwerk

Wenn Sie also Ihre Kraft bündeln und gezielt einsetzen möchten, dann gehen Sie diese vier Schritte:

  1. Ihr Karriere- bzw. Karriere-Netzwerk-Ziel definieren.

  2. Recherchieren, welche Positionen und davon abgeleitet Personen für Ihr Netzwerk-Ziel in Frage kommen.

  3. Einen Nutzen finden, den Sie der anderen Person bringen.

  4. Die Person ansprechen und den Kontakt aktiv leben.

Ihr Test: Sie sind dran mit Netzwerken

Probieren Sie es doch mal aus, mit einer einzigen Person auf der nächsten Veranstaltung in Kontakt zu kommen, sei es firmenintern oder firmenextern. Recherchieren Sie über diese Person im Netz oder suchen Sie andere passende Quellen. Und dann gehen Sie mit vorbereiteten Fragen auf diese Person zu. Achten Sie peinlich genau darauf, dass die andere Person mehr spricht als Sie. Verfallen Sie nicht der Gefahr, nach den ersten Antworten im Übermaß Ihren eigenen Senf dazuzugeben, sondern bleiben Sie im neugierigen Fragemodus. So erregen Sie Aufmerksamkeit und bauen Ihr Karriere-Netzwerk auf.


Netzwerk-Erfolg = Termin

Keith Ferrazzi, Autor des Buches „Geh nie alleine essen!“, empfiehlt, sich so im Raum zu platzieren, dass Sie Ihre Zielperson unauffällig anrempeln, dann auch gleich direkt mit Namen ansprechen und in ein kurzes Gespräch eintauchen. Je nach Rahmenbedingungen dauert so ein Gespräch nur eine halbe Minute oder auch deutlich länger.


Wichtig:

Verpassen Sie nicht die Gelegenheit, die Person um einen Gesprächstermin nach der Konferenz zu bitten. Den konkreten Zeitpunkt definieren Sie nach der Konferenz telefonisch. Und erwähnen Sie im Dialog auch einen konkreten Nutzen, den Sie dieser Person anbieten. Menschen tun nur Dinge, die Ihnen einen Nutzen bringen. Also sprechen Sie explizit über diesen Nutzen. Ihr Ziel: eine mündliche Zusage zu einem Treffen. Denn so können Sie die Beziehung aufbauen und vertiefen. Nur eine Visitenkarte zu bekommen, nützt Ihnen wenig; eine spontane Zusage zu einem Treffen hingegen schon und die werden Sie in aller Regel bekommen. Warum auch nicht? Sie stiften ja sogar einen Nutzen für die andere Person.

Direkt nach dem Treffen schreiben Sie eine Dankes-E-Mail, wie spannend Sie das Kennenlernen fanden und verbinden sich über XING und LinkedIn. Gratulieren Sie der Person zum Geburtstag und nutzen Sie vielleicht einen Gesprächsfetzen aus Ihrer Begegnung in diesem Geburtstagsgruß. Oder Sie gehen noch einen Schritt weiter und rufen sogar persönlich zum Geburtstag an. Die meisten Menschen sind freudig überrascht über so einen Anruf.

Verabreden Sie sich anschließend zum Mittagessen oder einem anderen passenden Termin. Erwähnen Sie, worüber Sie sich noch austauschen möchten und welchen konkreten Nutzen Sie dieser Person bringen möchten.

Würden Sie selbst einer Mittagsverabredung zustimmen mit dieser neugierigen Person, die Sie auf der Verbandsveranstaltung der Logistiker kennengelernt haben und die Sie so neugierig ausgefragt hat. Ja? Die meisten anderen Menschen ebenfalls.

Netzwerken ist leicht, wenn Sie es einfach machen.

Viel Erfolg beim Aufbau Ihres Karriere-Netzwerks und eine tolle Karriere!


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