Digitalisierung: Wie das vollständig digitale Unternehmen arbeitet

Das digitale Unternehmen in fünf Schritten: Welche Stufen und Prozesse durchlaufen werden und was das für die eigene Digitalisierungsstrategie heißt.

  • Die fünf Reifegrade helfen dabei, eine Standortbestimmung durchzuführen und zu entscheiden, wo das eigene Unternehmen am Ende des Prozesses stehen will.

  • Dafür wird die Digitalisierung in Stufen eingeteilt, die dazu dienen, eine Vorstellung davon zu erhalten, welchem Grad an Digitalisierung ein Unternehmen in der jeweiligen Stufe entspricht.

  • In Stufe fünf der Digitalisierung werden Effizienz und Produktivität fast ausschließlich durch die Optimierung der Software bestimmt.

Der Digitalisierungsgrad in Unternehmen erhöht sich zunehmend – bis hin zum autonomen Unternehmen.

Bei der Materialsammlung für diesen Artikel habe ich festgestellt, dass die Idee, es gäbe ein autonomes Unternehmen, das vollautomatisiert seinen Geschäften nachgeht, viele verunsichert bis erschreckt. "Wo bleibt der Mensch?" lautet die häufigste Frage.


Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, weil die Rolle, die der Mensch in der Gesellschaft von morgen einnimmt, ein ungeschriebenes Buch ist. Was uns bleibt, ist daran zu glauben, dass der Mensch seine Rolle finden wird. Obwohl das eine schwierige Debatte ist, die zumeist mit viel Emotion geführt wird, möchte ich trotzdem den Versuch wagen, eine Skizze für ein Unternehmen zu zeichnen, welches die vielbeschworene Digitalisierung konsequent weitertreibt bis zu dem Punkt, wo die Digitalisierung endet.


Der Begriff Digitalisierung ist einer der größten Themen in unserer Zeit. Dabei kennen wir den Einsatz von Informationstechnologie in Unternehmen schon seit über 50 Jahren. Und eins muss vorweg genommen werden: Digitalisierung ist keine einmalige Maßnahme, sondern ein ständiger Prozess der Erneuerung und Veränderung. Welche Strategie ein Unternehmen entwickelt, um diesen Prozess zu managen, ist ein Thema, das einem eigenen Artikel wert wäre.


Dieser Beitrag soll dabei helfen, eine Standortbestimmung durchzuführen und zu entscheiden, wo das eigene Unternehmen am Ende des Prozesses stehen will. Dafür wird die Digitalisierung in Stufen eingeteilt, die dazu dienen, eine Vorstellung davon zu erhalten, welchem Grad an Digitalisierung ein Unternehmen in der jeweiligen Stufe entspricht.


Prozesse lassen sich in vier Kategorien unterteilen

Hier hilft eine Unterteilung des Unternehmens in seine Funktionen und Prozesse. Die einzelnen Prozesse lassen sich in vier Kategorien unterteilen: von vollständig manuell, bis vollständig softwaregetrieben.


Jedes Unternehmen hat eine endliche Anzahl von Prozessen, die unterschiedlich stark von Software unterstützt werden. Im Grunde entspricht der Digitalisierungsgrad eines Unternehmens der Summe der Digitalisierungsgrade seiner Prozesse.

Zur Verdeutlichung und besseren Einordnung werden die Digitalisierungsgrade von Unternehmen in verschiedene Stufen eingeteilt. Die Stufen repräsentieren die Entwicklung vom vollständig analogen hin zum vollständig digitalen Unternehmen.


Stufe 0: Manuelle Prozesse ohne IT

Ein Unternehmen der Stufe 0 braucht keine IT. Alle Prozesse laufen manuell. Auch in der Kommunikation nach außen verlässt man sich auf das gesprochene Wort und den handgeschriebenen Brief. Die Buchführung existiert nicht oder wird wie früher von Hand in ein Buch geschrieben. Die Produktion ist eine reine Manufaktur, alles wird von Hand gemacht.


Stufe 1: Erste Schritte im computergestützten Arbeiten

In Stufe eins arbeiten Unternehmen in ersten Bereichen mit einem Computer. In der Regel sind das die Buchhaltungsabteilungen, weil hier die elektronische Datenverarbeitung die größten Vorteile bietet. Außerdem ist die Software in der Regel sehr einfach aufgebaut, da nur Lese- und Schreiboperationen durchgeführt werden müssen. Daten werden verwaltet, aber noch nicht im größeren Stil weiter verarbeitet. In der Produktion wird auch Software zur Steuerung von Maschinen eingesetzt, aber auch diese Software ist sehr rudimentär, da sie in der Regel einfachste Steuerbefehle ausführt. Die Kommunikation im Unternehmen läuft schriftlich per Brief oder per Telefon ab.


Stufe 2: Einsatz von Informationssystemen und Auswertung von Daten

Hier wird die Datenverarbeitung nun komplexer, da jetzt auch zunehmend mehr Logik in die Software eingebaut wird. Buchhaltungsprogramme führen komplexe Berechnungen durch. Durch sogenannte Management Informationssysteme werden betriebswirtschaftliche Daten verdichtet und ausgewertet. In der Produktion können Maschinen komplexere Prozessschritte durchführen.

Die Kommunikation erfolgt zunehmend per E-Mail, wenn auch auf Papier nicht verzichtet werden kann. In jeder Abteilung steht ein Drucker. Werbung erfolgt mit Printmitteln, aber auch mit klassischen elektronischen Medien wie TV und Radio. Arbeitsplätze werden zunehmend mit PC's ausgestattet, der IT Betrieb installiert die notwendige Software. Das Unternehmen pflegt eine statische Website zur Darstellung im Internet.


Stufe 3: Die Internet-Technologie erhält Einzug

Die Internettechnologie hält Einzug in das Unternehmen. Alle Mitarbeiter haben Zugang zu einem Personal Computer. Jede Abteilung verwendet Software zur Kommunikation, zum Beispiel Portale zur Verteilung von Informationen im Unternehmen, aber auch zur Unterstützung ihrer internen Prozesse. Das Unternehmen besitzt eine Website, über die sie mit Kunden kommunizieren kann.

Ein CRM-System verwaltet alle Kundendaten. Informationen auf Papier werden aber nicht seltener, da zusätzlich immer noch alles ausgedruckt wird. In der Produktion und auch in der Lieferkette wird alles mittels Software organisiert. Weite Teile der Produktion sind automatisiert. Der IT-Betrieb organisiert sich zentral, Software wird entweder als Browserapplikation oder per Ferninstallation bereitgestellt.

Planungen erfolgen in den Abteilungen per Software, zum Beispüiel mit einem Marketingplanungs-Tool für Aktivitäten und Kampagnen im Marketing. Entscheidungen in den Abteilungen werden zunehmend datengestützt getroffen (beispielsweise. Mitarbeiter wird eingestellt aufgrund des besseren Profils). Meetings finden in der Regel an einem gemeinsamen Ort oder per Telefon statt.


Stufe 4: Erste Automatisierungsschritte in einzelnen Abteilungen

Abteilungsinterne Abläufe werden vollständig per Software gesteuert, beispielsweise über ein Ticketsystem. Jeder weiß, wann wer was zu tun hat. Das ermöglicht eine hochgradige Vernetzung und Agilisierung des Unternehmens. Wissen wird ständig über Wissensmanagement-Systeme externalisiert. Einzelne Abläufe sind auch schon hochgradig automatisiert, z.B. bucht die Buchhaltung automatisch mit einer Fehlerquote von unter einem Prozent.