Erlebnisse aus dem Geschäftsleben und wie man damit umgehen kann

Heute: Fehler- und Lernkultur


Diese Art des Mentorings, das ich erfahren durfte, habe ich später selbst angewendet. Ich gebe mal zwei unterschiedliche Beispiele.

Eine Mitarbeiterin konnte ums Verrecken keine Briefe schreiben. Nun kann man sagen, lass das jemand anders machen. Aber wenn diese Person doch Potential hat und es nur nicht kann, weil es ihr niemand beigebracht hat, wäre es dann nicht ein Gewinn, es ihr beizubringen? Wir haben also ein Workaround etabliert. Sie kam mit Vorgängen regelmäßig zu mir und ich half ihr, die Briefe zu schreiben. Ja, es hat ein paar Wochen gedauert, aber nach und nach wurde es besser. Was soll ich sagen, am Ende schrieb Sie wie eine junge Göttin. Es reichten einige Stichworte und Sie übernahm alles andere. Am Ende war es ein echter Gewinn.

Kommen wir zu einem anderen Kollegen, der auf einmal ganz aufgeregt vor meinem Schreibtisch stand. Also wirklich aufgeregt. Der überholte sich schon beim Sprechen selbst. Ich sagte ihm, er solle sich hinsetzen und mal in Ruhe. Half nix. Nochmal „mach mal in Ruhe!“. Half nix. Dann sagte ich zu ihm „hol mal deine Jacke“ und schnappte mir unterdessen meine. Ich zog ihn aus dem Gebäude in den nahe gelegenen Park und ging mit ihm eine Runde. Jedes Mal, wenn er wieder anfangen wollte, unterbrach ich ihn und fragte nach einer Belanglosigkeit „wie findest du denn das Wetter heute?“ oder „ist schön hier, oder?“ Natürlich wollte ich das gar nicht wissen. Er sollte sich beruhigen. Das Haus brannte nicht, es gab keinen Stromausfall und auch nichts anderes, was sooooo dringend sein konnte. Also mal langsam. Als wir zurück waren, war er sichtlich ruhiger. Kaum am Schreibtisch fuhr er wieder hoch, also schickte ich ihn einen Tee kochen. Dann sagte ich „nun schildere mal dein Problem. Aber in Ruhe!“ Das tat er dann auch. Ich ließ ihn wissen, dass ich das Problem verstanden hätte. Dann begann ich Fragen zu stellen. Die Fragen zielten immer mehr auf mögliche Lösungsstrategien und so ließ ich ihn seine eigenen Ansätze und Ideen bewerten, bis wir zu einer Lösung kamen.

Dann sagte ich „Ja, dann haste doch eine Lösung. Und was soll ich jetzt tun?“ Ich ließ ihn verstehen, dass er jederzeit gerne zu mir kommen könne, aber wenn er so an die Probleme rangehen würde, dann könnte er das meistens auch allein.

Er hatte ein Vorgehen und damit eine Lektion gelernt. Ich hatte einen noch besseren Mitarbeiter. Der würde jetzt ruhig bleiben und klaren Kopfes bei einem guten Tee Probleme selbst lösen können. Geil, oder?

Verstehen wir also alle, dass Fehler zu einer Lernkurve führen. Fehler sind erlaubt, sollten aber nur einmalig vorkommen. Ein zweites Mal vielleicht auch noch. Aber bitte nie ein drittes Mal. Das zeugt von Ignoranz oder Dummheit.

Ich kenne zum Glück nur eine Person, die das geschafft hat. Dann hat man allerdings ein Problem mit mir. Sie ging dann später in die Politik. Darüber hatte ich ja schon philosophiert. Ich fragte also nach ihrem Wahlsieg nur „welches Ressort hast du denn?“ Antwort „Bauwirtschaft.“ Rhetorische Frage von mir „aber da hast du doch gar keine Ahnung von.“ Antwort „das muss ich auch nicht.“

Ok, es gibt auch gute Politiker. Aber mal wirklich, „was soll das?“


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