Führungspersönlichkeit?

Auszug aus dem Kapitel "Von Führungspersönlichkeiten, ein kleiner Exkurs" aus dem Buch "Besser im Job"; zu erhalten auf www.olion.online. Auch als Veranstaltung!


Bevor ich mit den kleinen Sachgeschichten weitermache, hier ein kleiner Exkurs, was für Menschen mir in meiner beruflichen Praxis begegnet sind. Sagen wir Persönlichkeiten. Die wollten ja Chef sein. Viele, und ich darf das sagen, ich war selbst schon lange genug in dieser Rolle, waren dafür ganz und gar nicht geeignet.


Fangen wir mit einem Guten an. Während meiner Ausbildung war vor Ort der Niederlassungsleiter zuständig. Mein Ausbilder war aber ein alter Haudegen aus dem Mutterkonzern, der uns regelmäßig besuchte. Er marschierte mit Zigarre in der Hand durch die Tür und begrüßte uns mit einem lauten „Guten Morgen“. Das hörte man auch noch in den letzten Ecken in der ersten Etage. Neben der paffenden Zigarre waren aufgekrempelte Hemdsärmel und Hosenträger sein Markenzeichen.

Der Mann kannte den Markt, wusste mit Stakeholdern umzugehen, war fachlich breit aufgestellt und konnte führen. Etwas forsch, aber fair und gradlinig. In diesem Fall ist der Umgang leicht. Geh hin und sag ehrlich was du meinst oder willst. Dann kriegst du umgehend eine klare Antwort.


Kommen wir zum Despoten, den ich zuvor beschrieben hatte. Ob bewusst oder unbewusst, er versuchte verkrampft seine Defizite zu verbergen. Er musste früh das Unternehmen fortführen und konnte deshalb kein Studium absolvieren. Das kompensierte er durch viel praktisches Know-how. Das fokussierte sich aber auf sein Kerngeschäft, es blieben also eklatante Lücken in vielen Fachthemen. Dazu kam sein cholerisches Gemüt, das eigentlich alle seiner Mitarbeiter mürbe machte. Ausnahmen gab es zwei. Der zweite Geschäftsführer, der ein eigenes Vertriebssegment innehatte und ihm vom Intellekt weit überlegen war. Der zweite war ich, weil ich mir auch nichts gefallen ließ. Hatte ich durch meinen Vater gelernt.

Ein Beispiel kann das verdeutlichen. Als ich gerade zum Personalleiter erhoben war, gab es eines dieser langen Telefonate. Irgendwas gefiel meinem Chef nicht und er legte lauthals los. Mein Mitarbeiter verdrehte schon die Augen. Ich legte einfach auf.

Mein Mitarbeiter schien zum Eisblock mutiert. Er starrte mich mit groß aufgerissenen Augen an und schien nicht mehr zu atmen. Er verharrte in dieser Position eine gefühlte Ewigkeit. Dann fragte ich „Was ist?“ Er stotterte und gab mir zu verstehen, dass man das mit dem Chef doch nicht machen könne. Dann klingelte das Telefon. Mein Chef. Er fragte mich „Herr Hülsemeyer, können wir mal in Ruhe?“ Meine Antwort „In Ruhe können wir gerne sprechen.“ Dann ging es dementsprechend weiter. Mein Mitarbeiter stand noch immer starr daneben. Nachdem ich das Telefonat beendet und aufgelegt hatte, fragte ich „Und? Hat doch funktioniert, oder?“

Quintessenz, haben Sie Mut, niemand darf Sie persönlich angreifen. Wenn Sie fachlich vorbereitet sind, kann er Ihnen beim richtigen Verhalten nichts anhaben. Ist aber anstrengender. Ob Sie für ihn arbeiten wollen, müssen Sie dann selbst entscheiden. Ich habe es gerne getan.


Kommen wir zu einem sehr unglücklichen Duo. Unglücklich in der Kombination für die Mitarbeitenden und tatsächlich auch unglücklich im Leben. Der Vater fühlte sich stets betrogen und verfolgt. Ich habe kein zweites Unternehmen kennengelernt, wo es eine so große Revision gab. Das war da Volksport, eine Abweichung festzustellen und Leute zu „verhaften“.

Positiv war, dass er seinen Markt und seine Klientel kannte.

Der Sohn war introvertiert. Sein Raum hätte auch ohne Fenster sein dürfen. Am liebsten allein vor sich hinarbeitend. Den Geschäftsführern erteilte er per Datenbank Aufgaben. Alle Priorität 1 und sofort zu erledigen. Eigentlich wollte er das alles gar nicht machen, fühlte sich aber dem Familienunternehmen verpflichtet. Mit den Kunden wollte er nichts zu tun haben.

Papa wusste, dass Sohn es nicht kann, traute sich aber nicht es ihm zu sagen. Der Jung könnte sich ja etwas antun.

Man konnte zwar verdeutlichen, dass etwas im Unternehmen verändert werden muss. Dazu mussten aber einfache Beispiele herhalten. Also nicht „die Fluktuation liegt bei 24,3 %“. Das wurde tatsächlich als normal bewertet. Nein, erst als ich sagte „Sie müssen sich einmal vorstellen, dass Sie alle vier Jahre eine komplett neue Mannschaft haben. Das Wissen ist weg und, was vielleicht noch schlimmer ist, die Kundenbindung unseres Mannes vor Ort.“ Das zog.

...


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