Gründer-Beratung: Haben Sie das Zeug dazu?

Hohe Anforderungen vom Chef, enormer Leistungsdruck, miese Arbeitsatmosphäre, schlechte Bezahlung – all diese Faktoren können dafür sorgen, dass sich Angestellte selbstständig machen und zum Gründer mutieren wollen. Endlich sein eigener Chef sein! Kein schlechter Plan. Allerdings sollten auch die persönlichen Voraussetzungen stimmen. Leider ist die Selbstständigkeit nicht für jeden Gründer in spe gleichermaßen gut geeignet. Tatsächlich bringen erfolgreiche Unternehmer regelmäßig bestimmte Eigenschaften mit, die den Gründungserfolg mindestens fördern. Sollten auch Sie aktuell mit dem Gedanken spielen, Ihr Glück in der Gründung einer eigenen Firma zu suchen, sollten Sie sich vorher fragen: Habe ich das Zeug dazu?


Gründer werden liegt im Trend

Schon seit einiger Zeit genießt Deutschland den Ruf eines Gründerlandes. Doch: Notgründungen sind selten erfolgreich! Vor allem Studienabbrecher gründen im Anschluss oft ein Unternehmen – öfter als Absolventen. Laut einer Studie um Guido Buenstorf, Kristian Nielsen und Bram Timmermans von der Universität Kassel machen sich 2,4 Prozent der Abbrecher selbstständig, aber nur 1,5 Prozent der Absolventen. Häufig sei das eine Notlösung, wissen die Forscher. Aber nur selten eine erfolgreiche: Das Einkommen der Notgründer lag im Schnitt um 17 Prozent niedriger als das der Gründer mit Studienabschluss. Auch scheitern Erstere öfter, wie auch eine Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Instituts für die Zukunft der Arbeit (IZA) ermittelt hat.


6 Eigenschaften erfolgreicher Gründer

Die Gründung eines eigenen Unternehmens bringt eine ganze Reihe von großen und kleinen Herausforderungen mit sich. Viele Entrepreneure sind sich dessen natürlich bewusst. Dennoch wird nur selten hinterfragt, ob die eigene Persönlichkeit tatsächlich zur Selbstständigkeit passt.

Dazu kann es helfen, sich ein erfolgreiches Vorbild zu suchen und sich daran zu orientieren. Oder aber Sie wählen den Weg der klassischen Gründer Beratung – etwa durch einen entsprechend geschulten Coach. Das wird teilweise sogar staatlich gefördert.

Zwar bringt jeder Gründer bei seinem Unternehmen immer auch seine individuelle Persönlichkeit mit, doch in einigen Punkten gibt es häufige Überschneidungen – diese typischen Eigenschaften erfolgreicher Gründer:

  1. Sie verfügen über Resilienz. Ein Unternehmen zu gründen, ist kein Kindergeburtstag. Sowohl beruflich als auch privat warten einige Hindernisse und Rückschlägen auf die angehenden Unternehmer. Manch einen wirft das völlig aus der Bahn. Andere aber nicht. Und diese besitzen häufig ein hohes Maß an sogenannter Resilienz mit. Resiliente Menschen sind widerstandsfähig, stehen auch nach schweren Schicksalschlägen geläutert wieder auf und lassen sich nicht unterkriegen, ohne an sich selbst zu zweifeln.

  2. Sie sind bereit, ein Risiko einzugehen. Um ihre Idee umzusetzen, ist es notwendig, immer wieder Risiken einzugehen. Das bedeutet natürlich nicht, unbedacht zu handeln. Aber erfolgreiche Gründer sind dazu in der Lage, auch mal ein Wagnis einzugehen, eine Investition zu tätigen, um ihr Unternehmen langfristig voranzubringen. Wer diese Risikobereitschaft nicht mitbringt, steht sich früher oder später selbst im Weg.

  3. Sie haben die erforderliche Tatkraft. Ein Unternehmen wird nicht von selbst erfolgreich. Gerade in der ersten Phase liegt es daher an dem oder den Gründern allein, alles für den Erfolg zu tun. Das bedeutet harte Arbeit, lange Nachtschichten und keine Wochenenden. Zwei Drittel der Gründer starten ohne Mitarbeiter, entsprechend bleibt jede anfallende Aufgabe ihnen hängen. Wer denkt, in der Selbstständigkeit hätte er oder sie mehr Freizeit, täuscht sich gewaltig. Besonders die erste Zeit bringt in der Regel unzählige Überstunden mit sich.

  4. Sie besitzen das nötige Vertrauen. Für Gründer ist Vertrauen unerlässlich – und das gleich mehrfach: Es braucht Vertrauen in die eigene Person, in die eigene Idee und auch Vertrauen in das berufliche Umfeld. Schließlich müssen Investoren gefunden, Kundenbeziehungen aufgebaut und im weiteren Verlauf auch erste Mitarbeiter gefunden werden. Den Kern bildet jedoch das Vertrauen in sich selbst: Wer nicht an den eigenen Erfolg glaubt, wird diesen meistens auch nicht erreichen.

  5. Sie sind anpassungsfähig. Der Vorteil eines noch kleinen und jungen Unternehmen ist seine Anpassungsfähigkeit. So mancher Geschäftsplan ändert sich in den ersten sechs Monaten noch mal gewaltig. Märkte ändern sich schließlich auch schnell, erst recht neue. Tatsächlich bedeutet „Survival of the fittest“, dass nicht die stärksten, sondern die anpassungsfähigsten Unternehmen und Unternehmer überleben. Wer beim Start schon unflexibel auftritt, verpasst womöglich nicht nur große Chancen, seine Idee weiterzuentwickeln, sondern blockiert auch seinen Erfolg.

  6. Sie bringen Leidenschaft mit. Wer sich dafür entscheidet, Gründer zu werden, benötigt in jedem Fall Leidenschaft für das, was er tut. Das bedeutet nicht, dass man sich über jede Aufgabe freut. Aber es steht dafür, glücklich mit dem zu sein, was man tut. Fehlt diese Leidenschaft und intrinsische Motivation, sinkt erst die eigene Zufriedenheit, dann die Leistungskraft. Und irgendwann schmeißen solche Gründer dann alles frustriert hin.


6 Ausreden, die Gründer nie benutzen würden

Bei aller Gründerberatung – es gibt auch die andere Seite: Bei manchen ist der Wunsch zur Selbstständigkeit zwar groß – nur finden sie ebenso viele Gründe, warum sie den Schritt (jetzt) nicht wagen sollten. Oder anders formuliert: Sie beschäftigen sich mehr mit Ausreden als mit dem Gründen.

Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, die Selbstständigkeit zu wagen und als Gründer Ihr eigenes Unternehmen aufzubauen, ist es an der Zeit, die folgenden Ausreden hinter sich zu lassen. Sie blockieren Sie nur, sind oft falsch und vermitteln uns nur den Eindruck, wir würden die Kontrolle über die Situation behalten. De facto halten Sie sie aber von dem ab, was Sie eigentlich wollen.

Denken Sie an das wahre Bonmot:

Wer etwas will, findet Wege – wer etwas nicht will, findet Gründe.

Deshalb, daher und darum: Vergessen Sie bitte einmal die Selbstzweifel, Ängste und Worst-Case-Szenarien (die gibt es im Angestelltendasein schließlich genauso) und finden Sie Wege

Denn wahre Gründer würden diese Ausreden nie benutzen:

  1. Ich warte besser noch, bis… Es ist eine endlose Aufschiebetaktik, die mit echter Gründermentalität nichts zu tun hat. Man kann immer einen Grund finden, warum ausgerechnet jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist und man besser noch auf andere Branchenbedingungen, einen neuen Businesspartner, eine bessere Idee oder auch einfach nur schöneres Wetter wartet. Gründen bedeutet, die Chancen zu nutzen, die sich jetzt ergeben und nicht auf das utopische perfekte Szenario zu warten, das niemals kommen wird.

  2. Mir fehlt das nötige Startkapital… Gründer schwimmen nicht im Geld, aber das geht allen so. Die Frage ist also nur, wie sich das Beste aus den zur Verfügung stehenden Mitteln machen lässt. Wie kann das vorhandene Kapital eingesetzt werden, wo kann man weiteres Startkapital erhalten oder leihen und was muss getan werden, um neues Kapital zu generieren? Bei einer Gründung kommt es nicht in erster Linie auf ein hohes Startkapital, sondern auf eine passende Idee und große Motivation an.

  3. Ich bin schon viel zu alt dafür… Wer legt eine solche Altersgrenze für Gründer fest? Ganz genau – niemand. Man kann nicht zu alt sein, um seine Ideen in die Tat umzusetzen und dadurch seine Träume zu verfolgen. Anstatt das Alter als Ausrede zu benutzen, konzentrieren sich echte Gründer lieber auf die vielen Vorteile, die damit einhergehen. So verfügen ältere Gründer über viel mehr Erfahrung, sowohl fachlicher Natur als auch im Umgang mit Kunden und Geschäftspartnern. Zusätzlich wissen Ältere durch Ihre Berufserfahrung auch schon, was es heißt, wirklich hart an seinen Zielen zu arbeiten.

  4. Ich habe nicht die richtigen Kontakte… Die einzige Antwort die spontan auf diese Ausrede einfällt, ist ein einfaches Na und? Am Anfang verfügt niemand über alle nötigen Kontakte. Sich damit rauszureden zeigt nur, dass die Ernsthaftigkeit des Vorhabens fehlt. Wahre Gründer erkennen das Problem und packen es an: Sie ziehen los, besuchen Events, nutzen aktiv Social Media und besuchen Vorträge oder Seminare. Soll heißen: Wenn die richtigen Kontakte fehlen, lässt sich das durch Eigeninitiative ändern.

  5. Mir fehlt sowieso die Zeit… Eine beliebte Ausrede bei Menschen, die gar nicht erst anfangen wollen. Wer Gründer werden will, braucht das richtige Zeitmanagement. Jedem stehen dazu aber die gleichen 24 Stunden pro Tag zur Verfügung. Wie damit umgegangen wird, macht den Unterschied. Es fehlt also nicht die Zeit, sondern der Wille, die eigene Zeit für die Umsetzung seiner Idee zu nutzen.

  6. Was passiert, wenn ich scheitere… Die kurze Antwort: Dann versucht man es mit etwas anderem. Die etwas längere Antwort: Gründer zu werden, hat immer etwas mit der Bereitschaft zum Scheitern zu tun. Es liegt nicht in der Natur des Gründens, sich durchweg in seiner Komfortzone aufzuhalten. Fehler sind dazu da, um aus ihnen zu lernen. Angst vor dem Scheitern ist eine nachvollziehbare Reaktion, bevor ein großer Schritt gewagt wird, aber sie darf nicht lähmen.


Gute Gründe fürs Gründen
 Immer wenn der Chef mal wieder brüllend vor dem Schreibtisch steht,  ein Kollege ohne Unterbrechung nervt und ein Kunde mit dem siebzehnten  Sonderwunsch um die Ecke kommt, wächst der Wunsch, dem Laden den Rücken  zu kehren und sich selbstständig zu machen. Diese Fluchtmotive sind aber  selten gute Gründe zum Gründen.
 Wie bei Jobwechseln auch raten Gründerberater nie zu einer „Weg-von“-Motivation, sondern immer zu einem „Hin-zu“-Motiv. Soll heißen: Nicht der Frust darf Sie zur Gründung treiben, sondern Ihre Vision. Entsprechend können gute Gründe fürs Gründen sein…
 
@ Marktnische
  Sie haben eine Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung, die  ein großes Bedürfnis der Menschen befriedigt. Es ist eine Lösung, die es  so noch nicht gibt. Denken Sie dabei aber nicht nur an irgendwelche  tollen Technik-Innovationen im Internet. Das kann auch ein originelles  Bar-Konzept an Ihrem Wohnort sein.
@ Selbstverwirklichung
  Ihr bisheriger Job bringt Sie nicht weiter: Sie kommen nicht an Ihre  Grenzen – Sie werden begrenzt. Und bleiben daher unter Ihren  Möglichkeiten. Die Selbstständigkeit kann Ihnen also helfen, Ihre  (vielen) Talente optimal einzusetzen und zu entwickeln. Und nicht  zuletzt ist da diese Idee, für die Sie schon lange brennen und die  endlich Realität werden soll.
@ Partner
  Apropos Idee: Schon lange treibt Sie und Ihre Freunde diese besondere Geschäftsidee um. Der Businessplan  steht – und zusammen bilden sie das perfekte Team. Kurz: Man braucht  Sie. Auch das ist ein guter Grund zu gründen. Vorausgesetzt, Sie sind  sich wirklich alle über die Rollenverteilung einig und ergänzen sich  gegenseitig.


Gründer Beratung: Beginnen Sie mit ehrlicher Selbstreflexion

Es gibt Menschen, die am besten in einem Umfeld mit Kollegen, klaren Vorgaben und einem – guten – Chef arbeiten können. Das ist weder gut noch schlecht, es ist schlicht und ergreifend Typ-Sache. Bevor Sie sich also auf die berufliche Selbstständigkeit einlassen, sollten Sie Ihre Motivation und Ihre Ziele selbstkritisch und ehrlich reflektieren.

Daher haben wir 15 Fragen für Sie, die Sie bei Ihrer Reflexion und Vorbereitung unterstützen können:

  1. Warum wollen Sie sich selbstständig machen? Eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Wir haben es bereits erwähnt: Frustration ist eindeutig die falsche Motivation. Wenn Sie jedoch Ihrer Leidenschaft folgen und einen lange gehegten Wunsch verwirklich wollen, kann das der richtige Antrieb sein.

  2. Sind Sie bereit, mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten? Selbstständigkeit bedeutet – vor allem in den ersten Monaten und Jahren – einen deutlich höheren Arbeitsumfang als im angestellten Job. Man arbeitet selbst und ständig, heißt es so richtig. Das ist nicht unbedingt negativ, Sie müssen sich dessen nur bewusst sein.

  3. Kennen Sie Ihren Wert? Als Selbstständiger müssen Sie die Frage nach dem Preis Ihrer Arbeit überzeugend beantworten können. Das geht nur, wenn Sie sich über Ihren Wert im Klaren sind.

  4. Knüpfen Sie leicht neue Kontakte? Um neue Kunden zu gewinnen, müssen Sie natürlich die entsprechenden Kontakte knüpfen. Dazu sollte es Ihnen leicht fallen, auf Menschen zuzugehen und Beziehungen aufzubauen.