Leseprobe #4 – Buch „Besser im Job“

Damit begannen aber auch die Herausforderungen. Nun hatte mein Chef die Angewohnheit Telefonate zu führen, die meistens weit mehr als eine Stunde dauerten. Er fing an einem Punkt an, betrachtete es wie in einem Rundgang und kam nach seinem Monolog wieder am Ausgangspunkt an. Meistens nahm mein Vertreter an den Telefonaten teil und jedes Mal sah ich ihm an, dass er sich nicht wohl fühlte. Aber da musste er durch, dachte ich. Aber auch ich musste mich zusehends beweisen. Meistens gelang es mir, fachlich gut zu reagieren, zeigte aber auch auf, wenn ich ausnahmsweise mal etwas klären musste, um eine richtige Antwort geben zu können. Das tat ich dann immer zügig und so ging es.


Die Themen wurden schwieriger und alte Rezepte mussten weiter ausgebaut werden. So legten wir einmal auf und mein Mitarbeiter sagte „Der hat doch jetzt geglaubt, dass das seine Idee war.“ Das war mir recht erklärte ich ihm, schließlich haben wir unser Ziel erreicht. Und es war ihm auch egal, wie ich den Bereich führte, solange ich ihm den Chef vom Hals hielt. In einem schwierigen Umfeld ist schlechter Führungsstil verzeihbar. Beim ersten Projekt im Personalbereich merkte ich aber schon, dass mir andere nicht so folgten, wie ich mir das vorstellte. Ein erstes Projekt kam in der Produktion auf. Das Zeitmodell offenbarte immer wieder Schwächen und wir sahen Potential für mehr Effizienz. Zum Glück gab es keinen Betriebsrat, sonst wäre ich hier wohl viel schneller an Grenzen gestoßen. Das Projektteam war insoweit überschaubar und bestand vor allem aus dem Produktionsleiter, seiner Assistenz und den Schichtleitern. Berichtet wurde an meinen Chef durch den Produktionsleiter und mich. Doch fragte mein Chef den Produktionsleiter, wich dieser bei Wünschen vom Chef auch gerne mal von unserem Plan ab, um Reibung zu vermeiden. Also musste ich Gegenrudern, um zurück auf Kurs zu kommen, was mitunter sehr anstrengend und zeitaufwendig war. Die Hinweise der Schichtleiter überging ich auch gerne mal. Die Mitarbeiter wurden in keiner Weise einbezogen. Als wir unser neues Drei-Schicht-Modell dann präsentierten, fühlte ich mich zurückversetzt in die Französische Revolution. Dass man uns den Kopf nicht abtrennte, war dem Umstand zu verdanken, dass wir schnell abbrachen.


Ich fragte mich also warum das so schwierig sei und bildete eine Task Force mit Produktionsleiter, einem Schichtleiter und drei Mitarbeitenden. Wir hörten das erste Mal zu und bekamen sehr sinnvolle Hinweise. Daraufhin konzipierten wir unser Modell 2.0, welches mein Chef hingegen für überhaupt nicht gut befand, als wir es ihm präsentierten. Ich bekam also ein Verbot, dass so umzusetzen. Arsch genug hatte ich in der Hose, ich sagte dem Produktionsleiter, dass ich es auf meine Kappe nehmen würde und wir führten es unbemerkt ein. Die nächsten zwei Wochen lief ich förmlich Kanäle in den Teppich meines Büros, weil ich nervös auf und ab lief. Doch dann bekamen wir die ersten Zahlen und Rückmeldungen und die waren durchgängig positiv. Also rein in die Höhle des Löwen. Ich wies meinen Chef zu Beginn des Gesprächs darauf hin, dass er bitte bis zum Schluss warten solle. Dann erklärte ich ihm, dass wir gegen seinen Willen das neue Modell etabliert hätten. Er entgegnete sofort lauthals „Sie sollten das doch nicht umsetzen!“ Ich konnte ihn runterkochen, weil ich ganz cool blieb und ihm eine Mappe entgegenwarf. „Was ist das?“, fragte er noch immer lauthals. „Das sind die ersten Berichte und die zeigen, dass unser Modell prima funktioniert“, entgegnete ich daraufhin, gefolgt von vielen Zahlen, Daten und Fakten, die eins unumstößlich bewiesen: Ich war Gott und hatte recht. Jetzt folge mir. Naja, zu meiner Überraschung akzeptierte er das Offensichtliche, es kam aber kein „Danke“ und das Meeting war sofort beendet.


Hatte ich etwas erreicht? Ja. Habe ich das gut gemacht? Nein. Und das in keine Richtung der Hierarchie. Den Produktionsleiter hatte ich entmündigt und das ging nur, weil er vorm Chef Angst hatte. Die anderen Projektmitglieder hatte ich ausgetauscht. Die Mitarbeitenden hatte ich viel zu spät involviert und meinen Chef habe ich ausgehebelt. Klar, dass der nicht glücklich war. In späteren Gesprächen machte er mir das auch klar, verbuchte es aber als Jugendsünde. Ich war ernüchtert.


Es trat wieder Normalität ein und das Tagesgeschäft ließ sich bei nur rund 250 Mitarbeitern in einem überschaubaren Rahmen abwickeln. Neue Baustellen taten sich hier nicht auf. Also sprach ich meinen Chef an, nachdem ich Besserung gelobt hatte und fragte nach einer weiteren Chance. Ich erklärte ihm, dass ich den Job auf einer Gesäßhälfte machen könne, aber noch eine Zweite hätte. Also gingen wir meine Kompetenzen nochmal durch, denn eines wollte er nicht. Mich verlieren. Verstand ich es doch zu gut, ihm schwierige Sachverhalte einfach zu vermitteln. Das war meine Superkraft. Dann beschrieb er mir ein Problem…


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