Notizen machen: Die Cornell Methode

Notizen machen – wir nutzen ständig irgendwelche Zettel, um uns wichtige Dinge zu notieren, damit wir sie nicht vergessen. Meist wird unleserlich ein Stichwort hingeschrieben und hinterher fragt man sich, was es noch bedeuten sollte. Oder aber man schreibt ganze Romane. Beides ist nicht geeignet, sich Wissen gezielt einzuprägen. Wie wäre es, mit System zu arbeiten? Sie brauchen dafür nur wenige Utensilien, lernen aber mit der Cornell Methode eine neue Möglichkeit, Dinge so zu notieren, dass Sie effizient arbeiten.


Notizen machen: Was es bringt

„Wer schreibt, der bleibt“, heißt es. Daran hat sich auch im digitalen Zeitalter nichts geändert. Zwar sieht man immer häufiger Studenten mit Laptop oder Tablet in den Vorlesungen, aber Studien belegen: Handgeschriebene Notizen sind immer noch besser als alles sofort in das Laptop zu hämmern.

Für Studenten, aber im Prinzip alle Lernenden ist es wichtig, das Gehörte in irgendeiner Form zu visualisieren, niederzuschreiben. Notizen machen erfüllt dabei zwei Funktionen:

  • Der Notizblock, die Kladde oder worauf Sie Ihre Notizen machen, dient als ausgelagertes Gedächtnis, eine analoge Festplatte gewissermaßen.

  • Notizen machen führt zur Auseinandersetzung, indem Sie das Gehörte mit eigenen Worten neu formulieren und wiedergeben.

Lernende sind bei ihrer Recherche geradezu einer Informationsflut ausgesetzt. Die Informationen müssen erst sortiert und verdichtet werden, um sie fürs Lernen nutzen zu können.


Notizen machen: Besser mit der Hand
 Die amerikanischen Psychologen Pam A. Mueller von der Princeton  Universität und Daniel M. Oppenheimer von der Universität von  Kalifornien in Los Angeles führten eine Studie mit 65 Studierenden durch, in der 15-minütige Videos von Vorlesungen gezeigt wurden.
 Die eine Hälfte der Testpersonen war mit Laptops ausgerüstet, die  andere mit Stiften und Blocks, beide Gruppen sollten Notizen machen. Im  Anschluss wurde geprüft, was die Studenten in Erinnerung behalten hatten. Das Ergebnis war verblüffend und eindeutig:
 Beide Gruppen hatten die reinen Fakten wie zum Beispiel Jahreszahlen gleich gut behalten. Wenn es jedoch um komplexere Zusammenhänge  ging, etwa einen Vergleich zwischen den Gesellschaften zweier Nationen,  dann schnitten die mit Notizblöcken und Stiften ausgestatteten  Studierenden weitaus besser ab.
 Die beiden Wissenschaftler vermuten, dass die Art des Notizenmachens die Informationsverarbeitung  beeinflusst: Während die Studenten mit Laptop bemüht gewesen seien,  nach Möglichkeit jedes einzelne Wort festzuhalten (darunter auch  Nebensächlichkeiten), hätte die andere Testgruppe sich von vornherein auf die Kernaussagen beschränken müssen: Handschriftlich kann man schlecht eins zu eins mitschreiben. 


Richtig Notizen machen mit System: Die Cornell Methode

Wer an amerikanischen Universitäten studiert, wird unweigerlich der Cornell Methode, auch Cornell Note Taking System genannt, in Vorlesungen begegnen. Namensgeber der bereits 1949 entstandenen Methode ist der Universitätsprofessor Walter Pauk von der Cornell University.

Er entwickelte diese Methode, um seinen Studierenden ein effizientes Vorgehen beim Lernen zu ermöglichen. Das Notizen machen mit der Cornell Methode dient dem Rekapitulieren und Lernen von Unterrichtsstoff und eignet sich, strukturiert und letztlich erfolgreich vorzugehen.

Die Grundausstattung ist dabei denkbar einfach: Sie benötigen einen Notizblock und einen Stift, gegebenenfalls noch ein Lineal. Dann gehen Sie wie folgt vor:

  • Im unteren Viertel vom Rand aus lassen Sie etwa fünf Zentimeter Platz und ziehen eine waagerechte Linie.

  • Vom oberen Teil trennen Sie nun durch eine senkrechte Linie etwa ein Drittel von der linken Seite ab, so dass links eine etwa sechs Zentimeter breite Spalte entsteht.

  • Über den Spalten, in der allerersten Zeile, notieren Sie die Vorlesung beziehungsweise den Kurs, das Thema und das Datum.

Sie haben nun wie im Bild oben dargestellt ein dreigeteiltes Blatt, das mit Angaben zur besseren Zuordnung versehen ist. Die rechte, große Spalte wird nun während Ihrer Vorlesung oder Ihres Seminars die Seite, auf der Sie schreiben.


Notizen machen: Während der Veranstaltung

Ihre Notizen schließen nun alles ein, was Sie während des Unterrichts aufnehmen und von Relevanz für Ihr Thema sein könnte: Die Vorlesung, Notizen wie etwa von Powerpoint-Präsentationen, aber auch Fragen, die Sie haben oder Hinweise und Fragen durch Kommilitonen.

Um den vorhandenen Raum sinnvoll zu nutzen, sollten Sie beim Notizen machen mit Abkürzungen, Symbolen, Stichworten und kurzen Sätzen arbeiten. Ebenfalls hilfreich können kleine Zeichnungen sein; das spart unter Umständen Zeit und kann vom Gehirn besser verarbeitet werden als abstrakte Formulierungen.

Die eingesparte Zeit brauchen Sie wiederum, um mithalten und die wichtigsten Informationen zeitgleich notieren zu können. Richtig Notizen machen bedeutet, dass Sie paraphrasieren, dass Sie auf Beispiele verzichten, die der Dozent benutzt, um das Gesagte zu veranschaulichen.

Wenn Sie etwas undeutlich oder unklar geschrieben haben, sollten Sie die Notizen möglichst dann überarbeiten, so lange Sie sich noch erinnern. Sobald Sie ein neues Thema beginnen, sollten Sie einen Absatz machen, eine Linie ziehen oder direkt eine neue Seite beginnen, um die Themen deutlich von einander zu trennen.

Als Faustregel sollten Sie sich KISS merken: Keep It Short And Simple. Dazu können Sie am besten mit Aufzählungspunkten arbeiten.

Beispiel: Sie fassen diese Methode in Ihren eigenen Worten zusammen. Ihre Notizen könnten so aussehen:

  • Methode z. syst. Notieren v. Gelerntem

  • Namensgeber: Walter Pauk

  • Nie in ganzen Sätzen schreiben

  • Am besten Spiegelstriche

  • Daten, Zahlen, Fakten: 1949

  • Abk. & Symbole nutzen

Wichtig ist dabei, dass Sie Ihre eigenen Abkürzungen verstehen – hier also beispielsweise „z.“ = zum, „syst.“ =systematischen, „Abk.“ = Abkürzungen, & = und.


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Notizen machen: Nachbereitung

Die linke Spalte, auch cue column oder recall column genannt, dient der Nachbereitung. Diese Hinweis- oder Erinnerungsspalte befüllen Sie nach der Vorlesung. Wichtige Fragen, die Ihnen nun in den Sinn kommen, Schlagworte aus der rechten Spalte und zentrale Ideen kommen hier hinein.

Um besser herausfiltern zu können, welche zentralen Punkte in die linke Spalte gehören, können Sie in der rechten Spalte mit verschiedenen Farbmarkern arbeiten. Sie sollten die Notizen in die linke Spalte kurzfristig nach der Vorlesung schreiben.

Beispiel: Sie wissen, dass Walter Pauk diese Methode zum Notizen machen erfunden hat. Wundern sich allerdings, warum es dann Cornell Methode und nicht Pauk Methode heißt. Dann notieren Sie sich als Stichworte in die linke Spalte:

  • Cornell Methode

  • effizient notieren


Anschließend wenden Sie sich dem unteren Bereich zu, der sogenannten summary box. Hier fassen Sie am besten innerhalb der ersten 24 Stunden mit Ihren eigenen Worten in drei, vier Sätzen zusammen, worum es in Ihrer Mitschrift geht.

Beispiel:

Die Cornell Methode geht auf den amerikanischen Universitätsprofessor Walter Pauk zurück. Benannt ist sie nach der Universität, an der er lehrte und 1949 dieses System zum effizienten Lernen entwickelte. Dazu wird ein Notizblock in drei Teile geteilt; eine etwa sechs Zentimeter breite linke Spalte, eine rechte Spalte und darunter mit fünf Zentimetern Abstand ein Block für eine Zusammenfassung. Über dem Ganzen werden Datum und Thema notiert. In kurzen Notizen wird auf der rechten Seite das Wichtigste zusammengefasst. Die linke Spalte bleibt für Fragen, die bei der Nachbereitung auftauchen oder auch Schlagworte, die aus dem rechten Teil übernommen werden. Anschließend wird unter den Spalten mit eigenen Worten der Inhalt zusammengefasst.

Kostenlose Cornell Notes Vorlage in WORD: