Vorstellungsgespräch #1: Tipps, Fragen, Checklisten

Aktualisiert: 13. Okt 2020

Wer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, hat die schwerste Hürde schon überwunden: Die Bewerbungsunterlagen haben überzeugt, die fachlichen Qualifikationen ebenfalls. Glückwunsch! Sie sind in Runde 2.

Allerdings ist der Job noch nicht in der Tasche. Noch müssen Sie den oder die Personalentscheider im persönlichen Gespräch überzeugen. Wie Ihnen das gelingt sowie praktische Tipps für alle Phasen des Vorstellungsgesprächs zeigen wir Ihnen hier…



Was Personaler im Vorstellungsgespräch wirklich interessiert

Viele Bewerber haben Angst vor dem Vorstellungsgespräch. Es geht schließlich um ihren Traumjob und ihr künftiges Gehalt. Entsprechend groß ist die Sorge, im Gespräch etwas Blödes oder Falsches zu sagen.

Die Sorge möchten wir Ihnen nehmen. Wenn Sie sich – zum Beispiel mithilfe unserer Ratgeber – auf das Vorstellungsgespräch gut vorbereiten, kann nichts passieren.

Bei all den vielen Bewerbungsgespräch Fragen, Stressfragen oder Fangfragen, die Personaler stellen können, geht es nie um „richtig“ oder „falsch“. Es geht um Ihre Persönlichkeit.

Fachlich haben Sie schon überzeugt. Nun will man sich ein persönliches Bild von Ihnen machen: Wie Sie arbeiten; ob Sie ins Team passen; wie Sie unter Stress reagieren; warum Sie hier arbeiten wollen und welche Ziele Sie haben. Egal, welche Fragen Personalverantwortliche stellen: Es geht am Ende immer um…

  • Kompetenzen Hierbei geht es weniger um Ausbildung oder Hochschulabschluss, Stärken oder Schwächen. Vielmehr interessieren sich Personaler im Vorstellungsgespräch für die sogenannten Soft Skills. Also Arbeitsweise, Lernbereitschaft, Leidenschaft (für den Job) und soziale Kompetenzen. Kurz: Man will sicherstellen, dass Sie allen Herausforderungen des Jobs gewachsen sind.

  • Teamgeist Wir wissen: Querdenker und Kreative sind der Humus, auf dem Innovationen gedeihen. Deshalb braucht sie jedes Unternehmen. Theoretisch. Tatsächlich achten Personaler aber leider oft auf Konformität. Ihre Jobchancen steigen erheblich, je mehr Sie dieses „Fitting“ vermitteln. Wie weit sich ein Bewerber dabei verstellt oder maximal authentisch bleibt, hängt davon ab, wie dringend er oder sie den Job benötigt.

  • Mehrwert Verfügen Sie über eine Liste von Erfolgen, die nahelegen, Sie werden dem Arbeitgeber auch Umsatz, Einsparungen oder Mehrwert bringen? Letztlich geht es bei jeder Einstellung um eine einfache Rechnung: Man bezahlt Ihnen ein Gehalt X und hofft, dass Ihre Leistung einen Mehrwert von Y erwirtschaftet. Das ist zu dem Zeitpunkt zwar reine Spekulation, aber je überzeugender Sie darstellen können, dass Y größer ist als X, desto eher werden Sie eingestellt. Pluspunkte sammelt also, wer auf vergleichbare Erfolge aus seiner bisherigen Laufbahn verweisen kann.

Nicht zuletzt denken Personaler darüber nach, ob die Einstellung später auf sie (negativ) zurückfallen könnte. Schließlich geht es auch um ihren Job und ihre Reputation. Deswegen wagen auch so wenige Experimente bei der Einstellung. Je überzeugender Ihre Argumente sind und je mehr Garantien Ihre Erfahrungen und Kompetenzen bieten; je glaubwürdiger Ihr Erscheinungsbild und Auftreten, desto besser Ihre Chancen.

Wie Ihnen das gelingen kann, zeigen wir Ihnen im Folgenden – Schritt für Schritt und Phase für Phase…


Vorstellungsgespräch Tipps: Überzeugen in jeder Phase

Ob wir jemanden sympathisch finden oder ihm vertrauen, entscheidet sich oft in Sekunden. Manchmal reicht schon eine einzige Eigenschaft, ein einziges Wort, ein simpler Eindruck, der dem Personaler übel aufstößt – und schon kippt das Vorstellungsgespräch.

Das ist zwar ein typischer Wahrnehmungsfehler. Aber einer mit verheerender Wirkung: Der sogenannte Horn-Effekt überstrahlt jetzt viele andere positive Eigenschaften. Damit Ihnen das nicht passiert, ist es wichtig, seine Körpersprache im Vorstellungsgespräch, aber auch seine Worte zu dosieren.

Die Kunst ist, die richtige Balance zu finden – zwischen perfekter Selbstpräsentation, Selbstdarstellung und einem Rest Spekulationsfläche. Zwischen sachlicher Präzision und persönlichem Einblick. Und das in allen Phasen des Vorstellungsgesprächs.


Die 5 Phasen in jedem Vorstellungsgespräch

Tatsächlich verlaufen fast alle Vorstellungsgespräche in fünf typischen Gesprächsphasen ab:

Phase 1 Smalltalk Dauer: ca. 5 Minuten ➠ Kurze Begrüßung ➠ Namentliche Vorstellung ➠ Frage nach Anreise & Befinden / Getränke Phase 2 Kennenlernen Dauer: ca. 15 Minuten ➠ Arbeitgeber stellt sich vor ➠ Unternehmen / Kultur / Produkte ➠ Beschreibung der Position und Stelle Phase 3 Selbstpräsentation Dauer: ca. 10 Minuten ➠ Bisheriger beruflicher Werdegang ➠ Wesentliche Meilensteine und Erfolge ➠ Stärken mit Bezug zur Stelle Phase 4 Rückfragen Dauer: ca. 10 Minuten ➠ Fragen zu Inhalten & Anforderungen des Jobs ➠ Fragen zu Erwartungen & Leistungsmessung ➠ Fragen zu Entwicklungschancen Phase 5 Abschluss Dauer: ca. 5 Minuten ➠ Dank für das Gespräch ➠ Weitere Schritte / Fristen ➠ Verabschiedung

Die Reihenfolge kann natürlich variieren. Die einzelnen Blöcke aber werden Ihnen immer wieder begegnen. Daher orientieren wir uns an diesem Ablauf und zeigen Ihnen der Reihe nach, wie Sie die einzelnen Phasen bestehen.


1. Smalltalk

Jedes Vorstellungsgespräch beginnt mit dem persönlichen Kennenlernen. Vorstellen, Händeschütteln (siehe Anleitung unten), nach der Anreise fragen, plaudern und sich dabei gegenseitig beobachten und einschätzen.

Dieser Smalltalk am Anfang ist eine wichtige soziale Interaktionen. Er soll das Eis brechen, die Aufregung der Bewerber mindern, Atmosphäre schaffen.

Eigentlich eine gute Sache. Doch so unschuldig wie diese Plauder-Phase scheint, so wenig ist sie es. Typischerweise unterscheiden Psychologen die Annäherung von Fremden in drei Verhaltensphasen, die gleichzeitig Ausdruck steigender Sympathie sind:

Matching: Die Körpersprache des Partners wird analysiert und zunächst nur zu maximal 50 Prozent durch die eigene reflektiert.

Pacing: Körpersprache, Gestik, Mimik, Sprache werden zunehmend synchronisiert.

Rapport: Nahezu vollständige Symmetrie – beide Partner nehmen jedes Mal durch ihr Verhalten auf einander Bezug.

Der Smalltalk und Warm-up zu Beginn des Bewerbungsgesprächs wird daher auch als „Rapport-bildende Phase“ bezeichnet. Relevante Informationen werden dabei noch nicht ausgetauscht. Der Gesprächsinhalt fällt eher in die Kategorie: belanglos.

Doch genau darin liegt die Gefahr: Kandidaten unterschätzen diese ersten fünf Minuten. Eine Studie von Brian Swider vom Georgia Institute of Technology und Brad Harris an der Texas Christian Universität kam zu dem Ergebnis: Personaler beurteilen in dieser ersten Phase, wie Bewerber später im Job arbeiten werden. Nicht selten fällt schon dabei die Entscheidung für oder gegen den Kandidaten. Das Ergebnis deckt sich mit Untersuchungen von Murray Barrick, Management-Professor an der Texas Universität. Er fand heraus: Egal, wie strukturiert ein Vorstellungsgespräch auch abläuft, entschieden wird oft schon am Anfang, ob der Kandidat den Job bekommt oder nicht.

Man kann sich darüber ärgern. Es ändert aber nichts daran, dass es in Vorstellungsgesprächen eben enorm „menschelt“. Die ausgefeiltesten Gesprächsabläufe und Fragetechniken können nicht verhindern, dass unser Bauchgefühl mitentscheidet und der Verstand am Ende nach einer plausiblen (scheinbar rationalen) Rechtfertigung sucht, was die „Chemie“ und „Wellenlänge“ bereits in den ersten Minuten entschieden haben.

Ärgern Sie sich also bitte nicht, sondern nutzen Sie das für sich. Sie wissen jetzt, wie wichtig der erste Eindruck ist. Üben Sie Ihren Auftritt entsprechend mit Freunde, Bekannten oder einem Coach. Im Zentrum steht die Frage: „Wie wirke ich dabei auf dich: offen, freundlich selbstbewusst?“


2. Kennenlernen

In den meisten Fällen stellt sich erst einmal der Gastgeber vor. Also alle anwesenden Personen und Unternehmensvertreter. Anschließend das Unternehmen, dessen Hintergrund und schließlich Details zur ausgeschriebenen Stelle.

Selbstverständlich folgen Sie diesen Ausführungen mit größtem Interesse, hören aufmerksam zu und nicken ab und zu zustimmend. Alles andere wäre unhöflich.

Auf diese Vorstellung des Unternehmens folgen dann in der Regel typische Vorstellungsgespräch-Fragen. Davon gibt es weit über 100 verschiedene: ➠ Fragen zur Bewerbungsmotivation ➠ Fragen zu Persönlichkeit, Stärken und Schwächen ➠ Fragen zur Arbeitsweise ➠ Fragen zum Fitting und der persönlichen Chemie ➠ Spontanitätsfragen ➠ Stressfragen ➠ Fangfragen ➠ Fragen zur Führungskompetenz Diese Vorstellungsgespräch Fragen stehen auf der Beliebtheitsskala der Bewerber ungefähr auf einer Höhe mit Zahnschmerzen. Der beste Tipp dazu: Bleiben Sie immer ruhig und lassen Sie sich nie aus dem Konzept bringen.


Um Ihnen ganz praktisch zu zeigen, wie das geht, haben wir ein paar typische Fragen und Antworten zusammengestellt:

➠ Was ist ihre größte Schwäche?

Gerne wird die Frage von Bewerbern dazu genutzt, um eine vermeintliche Schwäche anzusprechen, bei der es sich um eine Stärke handelt. Fehler! Personaler durchschauen dieses Schauspiel und haken nach. Seien Sie lieber ehrlich und zeigen Sie, wie Sie an einer erkannten Schwäche arbeiten. Zum Beispiel: „In Diskussionen fällt es mir manchmal schwer, mich durchzusetzen. Aber ich arbeite daran, meine Meinung deutlicher zu vertreten.“

➠ Sie haben mehrmals den Job gewechselt. Warum sollten wir sie einstellen?

Berufliche Wechsel sind heute keine Seltenheit. Viele Personaler sprechen Kandidaten trotzdem darauf an. Reagieren Sie darauf nicht verunsichert oder schuldbewusst. Erklären Sie stattdessen mit Beispielen, wieso gerade diese vorherigen Stationen Sie für den aktuellen Job qualifizieren. Kurz: Greifen Sie die Frage nach der Vergangenheit auf, aber drehen Sie den Blick wieder in die Zukunft.

➠ Würden Sie sich selbst eher als stur oder flexibel bezeichnen?

Gemeine Fangfrage! Denn beide Eigenschaften können – abhängig von der Situation – wünschenswert oder schädlich sein. Die Antwort auf solche suggestiven Alternativfragen sollte deshalb immer beide Seiten abdecken: „Ich finde es schwer, mich in einer der beiden Kategorien wiederzufinden. Natürlich kann ich meine Meinung vertreten und auch stur sein, wenn ich eine Idee verteidige, die ich für richtig halte. Auf der anderen Seite finde ich aber auch einen Konsens und Kompromisse wichtig, wenn diese zum bestmöglichen Ergebnis führen.“

➠ Wenn Sie jemanden für diese Stelle aussuchen müssten, worauf würden Sie achten?

Diese Frage beinhaltet gleich zwei Punkte: Welche Fähigkeiten halten Sie für die Stelle für relevant? Und besitzen Sie selbst diese Qualifikationen? Je nach Position sollten Sie sich bei der Antwort auf zwei oder drei Schlüsselqualifikationen konzentrieren